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Behringer Wave Test: Wie viel PPG Wave ist drin?

Nach vielen analogen Geräten liefert Behringer nun mit dem Behringer Wave seinen ersten polyfonen Wavetable-Synthesizer. Dessen Vorbild ist – der Name lässt es vermuten – der legendäre PPG Wave 2.2/2.3. Das von Wolfgang Palm entwickelte Instrument gilt als ein Urtyp der kommerziellen Wavetable-Synthesizer und ist auf etlichen Studioproduktionen der frühen 80er Jahre zu hören. Im Grunde ist er wie ein klassischer Synthesizer mit analogem Filter aufgebaut, die Oszillatoren ermöglichen mit ihren Wavetables aber weit mehr Klangspektren als damalige Flaggschiffe wie Roland Jupiter-8 oder Oberheim OB-Xa. Im Feature Wavetable-Synthese für Einsteiger: Workshop, Historie und Technik erfahrt ihr die Fakten.

Behringer Wave Test
Ein exklusiver 80ies-Wavetable-Synth mit Kult-Status wird bezahlbar: Der Behringer Wave orientiert sich optisch, technisch und leider auch beim Bedienkonzept sehr am PPG Wave .

Behringer Wave – das Wichtigste in Kürze

  • Redesign des PPG Wave 2.2/2.3 der 80er Jahre
  • Keyboard mit 49 Tasten inklusive Aftertouch
  • Zwei Wavetable-Oszillatoren mit 30 Wellensätzen
  • Filter und VCA analog
  • Panel mit 22 Reglern, LCD- und OLED-Bildschirm
  • Dual-Arpeggiator und polyfoner Sequenzer
  • Acht Stimmen, acht Einzelausgänge
  • 200 Presets, 64 User-Wavetables, 32 Transienten
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Behringer Wave
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Behringer Wave oder PPG Wave 2.2? Diese Frage stellt sich nicht und ich möchte das historische Original mit dem aktuellen Abbild keineswegs in diesem Test direkt vergleichen. Kein Musiker steht heute vor der Wahl zwischen dem Behringer Wave und einem PPG Wave, den glückliche Sammler wohl kaum aus der Hand geben. Ich selber mag die Wavetable-Synthese, hatte aber – wie sicherlich fast alle Leser – noch keinen PPG Wave für längere Zeit unter den Fingern, sondern sammelte in den 90ern erste Erfahrungen mit dem PPG-Wavetables im Waldorf Microwave.

Das Vorbild aus den frühen 80er Jahren: PPG Wave

Was zeichnet den originalen PPG Wave aus? Der achtstimmige PPG Wave 2 erschien 1981 und ging aus dem digitalen PPG System 360 und 340/380 hervor. Er bietet zwei Oszillatoren mit über 30 Wellensätzen aus jeweils 64 unterschiedlichen Wellenformen, die sich dynamisch modulieren lassen. Den Basisklang formt ein analoges Filter. Beim zwischen 1982 und 1984 hergestellten PPG Wave 2.2 ist es ein SSM 2044, ein klassisches 24 dB Tiefpass-Filter.

Ein PPG Wave ermöglichte neuartige Digitalsounds, Chöre oder Glocken. Der PPG Wave 2.2 konnte Aliasing und andere Nebengeräusche nicht kaschieren. Sie verleihen ihm einen besonderen nostalgischen Charme. Auch optisch fällt ein PPG Wave mit seinem blauen Panel auf.

Exklusivität hatte ihren Preis. Einen PPG Wave stellten sich nur wenige Künstler ins Studio. Hierzulande waren es Tangerine Dream, Klaus Schulze oder Michael Cretu. Auf Bühnen war der kostspielige PPG Wave 2.2 noch seltener anzutreffen. Dies war bei seinem bis 1987 produzierten Nachfolger PPG Wave 2.3 mit achtfachem Multimode nicht anders.

PPG Wave: Bislang vor allem als Plugin

Der charismatische Sound eines PPG Wave ist schon lange in der DAW angekommen. Bei Waldorf lebt seine DNA seit einigen Produktgenerationen weiter – immer öfter auch bei Plugins. Dabei versteht sich der Waldorf PPG Wave 3.V als direkte Emulation des historischen Wavetable-Synthesizers. Als Plugin bietet er natürlich Extras wie interne Effekte, Sample-Import via Drag&Drop und auch ein Umschalten zwischen 2.2 und 2.3 Modus ist möglich.

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Waldorf PPG 3.V Download
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Das schon erwähnte Waldorf Microwave 1 Plugin basiert ebenfalls auf den originalen Wellensätzen des PPG Wave 2. Und auch Blofeld und Nave tradieren Wolfgang Palms Technologie. Es reicht doch ein Plugin, oder nicht? Schon jetzt kann ich sagen: Der Behringer Wave kostet nicht viel mehr als drei Wavetable-Plugins und inspiriert in der Praxis anders und klingt auch anders.

Drei Waldorf-Plugins mit den Wellensätzen des PPG Wave: Blofeld, Microwave 1 und Nave.
Drei Waldorf-Plugins mit den Wellensätzen des PPG Wave: Blofeld, Microwave 1 und Nave.

Behringer Wave im Überblick

Der Behringer Wave ist ein hybrider Wavetable-Synthesizer mit achtfacher Polyfonie. Jede der acht Stimmen besteht aus einem digitalen Haupt- und Suboszillator. Anstelle der Wavetables lassen sich auch Samples, sogenannte Transienten, per Synthtribe-App importieren und nutzen. Die Audiosignale passieren ein analoges Filter, sowie einen ebenfalls spannungsgesteuerten VCA-Block. Zum Sounddesign stehen euch eine Modulationsmatrix, drei Hüllkurven und ein LFO bereit.

Eine Besonderheit sind die Tastaturmodi, wobei die acht Stimmen des Behringer Wave polyfon, unisono oder auch bi-timbral als Layer/Split gespielt werden können. Im Studio könnte dies richtig spannend werden, sobald ihr die acht Einzelausgänge verwendet.

Seinen Schauplatz findet der Behringer Wave vornehmlich im Studio.
Behringer Wave: Studio.
Seinen Schauplatz findet der Behringer Wave vornehmlich im Studio.

In jedem der insgesamt 200 Presets sind auch eine polyfone Sequenz mit bis zu 64 Schritten oder ein Dual-Arpeggiator speicherbar. Wie der originale PPG Wave 2.2/2.3 verzichtet der Behringer Wave leider komplett auf interne Effekte wie Chorus, Delay oder Reverb.

Der Behringer Wave ist mit mechanisch solider Hardware ausgestattet

Mit seinem blauen Panel erinnert das Testgerät sofort an einen PPG Wave, ist aber deutlich kompakter und leichter als sein Vorbild. Der Behringer Wave steckt in einem robusten Metallgehäuse und verfügt über 49 leichtgewichtete Tasten. Sie lassen sich inklusive Channel Aftertouch angenehm spielen und bewegen sich qualitativ im Mittelfeld.

Die 49 Tasten und die beiden Handräder des Behringer Wave fühlen sich ziemlich gut an - vor allem für einen Synthesizer in dieser Preisklasse.
Die 49 Tasten und die beiden Handräder des Behringer Wave fühlen sich ziemlich gut an – vor allem für einen Synthesizer in dieser Preisklasse.

Die Oberfläche des Behringer Wave ist grob in zwei Bereiche unterteilt. Links findet ihr die „analogen“ Parameter für LFO, Hüllkurven, Filter und Wavetable-Positionen beider Oszillatoren. Auf der rechten Seite präsentiert sich das digitale Control Panel.

Dazu gehören das LC-Display mit 2 x 40 Zeichen sowie ein kleines OLED-Display als Oszilloskop, ein Encoder mit Druckfunktion, ein großer Ziffernblock mit 12 Tastern sowie zehn Tastern zur Anwahl der Bildschirmseiten. Offensichtlich hat Behringer das originale Panel des PPG Wave 2 unbedingt kopieren wollen. Hier hätte man meiner Meinung nach durchaus etwas fortschrittlicher denken können, denn der Workflow ist schon recht anachronistisch. Bei dem überschaubaren Parameterumfang hätte man das sicherlich auch etwas intuitiver lösen können. Mit etwas Einarbeitungszeit kommt man damit aber zurecht.

Ein Blick aufs Haupt-Display sagt bereits viel über die Bedienung des Behringer Wave aus.
Ein Blick aufs Haupt-Display sagt bereits viel über die Bedienung des Behringer Wave aus.

Auf der Rückseite gibt es viel zu sehen. Neben dem Stereo- und Kopfhörer-Ausgang fallen die acht Einzelausgänge für die insgesamt acht Stimmen des Behringer Wave ins Auge. Weiterhin gibt es analoge Sync-Anschlüsse und CV/Gate-Eingänge sowie zwei Pedalanschlüsse für Sustain und Expression. Das klassische MIDI-Trio und ein USB-Port vervollständigen die rückseitigen Anschlüsse. Zum Glück ist das Netzteil bereits integriert.

Der Behringer Wave bietet auf seiner Rückseite überdurchschnittlich viele Anschlüsse.
Behringer Wave: Rückseite.
Der Behringer Wave bietet auf seiner Rückseite überdurchschnittlich viele Anschlüsse. Behringer Wave: Rückseite.

Hybrid mit Wavetable-Oszillatoren und analogen Filter

Der Behringer Wave bietet euch zwei Wavetable-Generatoren. Mit den Reglern Waves-Osc und Waves-Sub lässt sich die Wavetable-Position gemeinsam oder individuell verändern. Zudem gibt es noch eine Upper Wavetable, die sich im Digital-Menü aktivieren lässt. Zur Auswahl stehen 30 klassische PPG-Wavetables und zusätzlich mindestens 23 User Wavetables, die im Auslieferungszustand 80s Content liefern, sich bei Bedarf aber auch überschreiben lassen. Jeder PPG-Wavetable besteht aus 64 einzelnen Wellenformen. Am Ende der Liste finden sich die klassischen Wellenformen Sägezahn, Puls, Rechteck und Dreieck.

Der Behringer Wave kommt ab Werk mit diesen zusätzlichen Wavetables, die sich überschreiben lassen. (Quelle: User Manual)
Der Behringer Wave kommt ab Werk mit diesen zusätzlichen Wavetables, die sich überschreiben lassen. (Quelle: User Manual)

Anstelle der Wellensätze können auch kurze Audio-Samples verwendet werden. Ab Werk sind schon ein gutes Dutzend dieser Transienten einsetzbar: Pizzicato Strings, Piano, Sax, Bell oder Muted Trumpet – nicht gerade die beste Wahl für einen Synthesizer. Die meisten aktuellen Wavetable-Synthesizer sind schon auf der Oszillator-Ebene vielfältiger.

Ein klarer Pluspunkt des Behringer Wave ist das analoge Tiefpassfilter mit einer Flankensteilheit von 24dB. Es ist resonanzfähig und lässt sich inklusive Aftertouch vielfach steuern. Gelegentlich müsst ihr VCA und VCF kalibrieren.

LFO, Hüllkurven und Modulationsmatrix

Genau ein LFO mit vier Wellenformen und verzögertem Einsatz bietet der Behringer Wave. Das ist natürlich eine Minimalbesetzung. Mit den beiden ADSR-Envelopes und einer zusätzlichen AD-Hüllkurve kommt mehr Freude auf. Wie auch die wesentlichen Filter- und einige Oszillator-Einstellungen sind sie direkt übers Panel veränderbar und können in einem Programm gespeichert werden. Anders gesagt: Alle Regler-Positionen bis auf Basis und Master Volume lassen sich speichern.

Das Analog Control Panel mit über 20 Reglern scheint die Programmierung einfach zu machen.
Das Analog Control Panel mit über 20 Reglern scheint die Programmierung einfach zu machen.

Im Angebot ist auch eine Modulationsmatrix, die etwas versteckt liegt und nicht so umfangreich ausfällt. Wenn ich richtig gezählt habe, sind es nur sechs Klangparameter, die sich adressieren lassen: Main-Osc-Pitch, Sub-Osc-Pitch, Waves (Main und Sub), Filter Cutoff, Filter Emphasis und Loudness. Steuern lassen sie sich via Pitchbend, Modwheel, LFO, Pedal oder Hüllkurven.

Menü-Diving beim Behringer Wave

Sechs Menüs stehen auf dem Plan. Nach dem Einschalten seht ihr das Program Menü: Programm, Bank, Wavetable/Transient oder Keyboard Mode sind wählbar. Im User-Menü geht es um Aftertouch, Pedal sowie um die Klangqualität der Oszillatoren, wobei ihr zwischen „Original“ und „Enhanced“ für weniger Aliasing wählen könnt. Im Digital Menü kann vom normalen Wavetable zum Upper Wavetable gewechselt werden und den Suboszillator für Oszillator-Sync, Ringmodulation und Noise nutzen. 

Per Display Select lassen sich die Menüseiten beim Behringer Wave wechseln.
Per Display Select lassen sich die Menüseiten beim Behringer Wave wechseln.

Für tonale Effekte und Akkorde können die acht Stimmen des Behringer Wave im Tuning Menü verstimmt werden. Das Analog Menü zeigt die Werte des Analog Control Panel an. Im letzten Menü wartet der polyphone Sequenzer mit 64 Schritten. Pro Step können bis zu acht Noten aufgezeichnet werden. Auch ein Overdub ist möglich und die Sequenzen lassen sich bei der Wiedergabe transponieren. Der Sequenzer mag zwar flexibler als beim Original sein, für heutige Verhältnisse ist er zu einfach gestrickt. Der Dual-Arpeggiator bietet einfaches Auf- und Ab sowie Random-Muster.

Software Synthtribe für den Behringer Wave

Behringers App „Synthtribe“ unterstützt auch den Behringer Wave, sobald er per USB-Kabel mit dem Computer verbunden ist. Spektakulär ist die App nicht, es lassen sich immerhin das Betriebssystem (derzeit OS 1.0.8) aktualisieren und noch generelle Einstellungen wie MIDI-Kanal und Tuning oder für den Arpeggiator oder Sequenzer erledigen. Im Wavetable-Bereich der App können Audio-Files per Drag&Drop importiert und den Speicherplätzen für Wavetables und Transienten zugewiesen werden. Eine „Poly Chain“-Funktion gibt es nicht.

Von der App Synthtribe sollte man nicht besonders viel erwarten, wenn sie mit dem Behringer Wave per USB kommuniziert.
Von der App Synthtribe sollte man nicht besonders viel erwarten, wenn sie mit dem Behringer Wave per USB kommuniziert.
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