Ein Dauerbrenner im Radio und auch immer wieder im Kino oder TV-Produktionen ist der Hit „Invisible Touch“ der legendären britischen Band Genesis. Nach einer intensiven Prog-Rock-Phase vollzog die Gruppe Ende der 1970er-Jahre eine Kehrtwende in Richtung Radio-Pop. Diese Entwicklung wurde zwar nicht von allen Fans honoriert, bescherte der Band nach dem Weggang von Frontmann Peter Gabriel jedoch immense weltweite Charterfolge. Einer der ganz großen Genesis-Hits ist „Invisible Touch“ vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 1986. Die Originalaufnahme wird zwar von Synthesizern dominiert, für ihre Live-Umsetzung haben sich Genesis mit Darryl Stuermer einen Edel-Sideman ins Boot geholt, der auf dem Live-Recording von 1992 alle Register seines Könnens zieht.

„Invisible Touch“ – Video
Hier könnt ihr Genesis live im Jahr 1992 erleben:
Wie ist die Rhythmik der Bassline von „Invisible Touch“?
„Invisible Touch“ ist in vielerlei Hinsicht interessant: Der Song besitzt keinen wirklich „traditionellen“ Groove aus einem Drumbeat und einer sich wiederholenden Bassline. Letztere ist vielmehr ausgesprochen fließend und ändert sich zumindest im Vers rhythmisch nahezu von Takt zu Takt. Einzig die Akzente auf den Zählzeiten 1 und 2+ bilden hier Fixpunkte.
Im Chorus wird es deutlich stringenter: Zwei klare Akzente auf den ersten beiden Pulsschlägen geben die Richtung vor. Aufgelockert wird das Ganze durch ein Sechzehntel-basiertes Fill in jedem zweiten Takt. Dieses wird im Original von einem Synthesizer gespielt, live jedoch vom E-Bass gedoppelt.
Auch die kurze Bridge ist sehr straight; Darryl Stuermer spielt hier bis auf wenige Ausnahmen Viertel auf jedem Pulsschlag, was ebenfalls für einen entsprechenden Kontrast zum luftigen Vers sorgt.
Welches Tonmaterial findet ind er Bassline von „Invisible Touch“ Verwendung?
Was für die Rhythmik gilt, trifft auch auf das Tonmaterial zu: Die Bassline ist keineswegs statisch auf einem Ton, sondern fließend und ständig in Bewegung. Live befindet sich „Invisible Touch“ in Eb-Dur, und Darryl Stuermer nutzt im Vers die Range der kompletten Tonleiter aus den Tönen Eb, F, G, Ab, Bb, C und D.
Die stringente Rhythmik des Refrains wird durch die Reduzierung auf den Grundton und die Oktave unterstützt. Das Fill wiederum präsentiert uns eine lupenreine Eb-Dur Pentatonik.
„Invisible Touch“ – Basssound
Mr. Darry Stuermer ist in erster Linie Gitarrist und nicht bekannt dafür, ein besonderes Bassmodell zu bevorzugen. In Live-Videos aus dieser Zeit sieht man ihn häufig mit Headless-Bässen der Firma Steinberger, darunter auch das legendäre „Paddel“. In späteren Jahren griff er gerne zu 44-94- oder 55-94-Modellen der Firma Lakland, die jedoch zur Zeit der Liveaufnahme von „Invisible Touch“ noch gar nicht gab.
Der Basssound von Darry Stuermer ist clean und trocken, mit drückenden Mitten und relativ wenig Low End, da ja auch noch Synthesizer mit im Spiel sind, die sich ebenfalls in diesem Frequenzbereich tummeln.
Im Grunde sollte man mit nahezu jedem Bassmodell (außer vielleicht Vintage-Instrumente mit Shortscale-Mensur und dem Pickup direkt am Hals) in die klangliche Nähe der Vorlage kommen. Ein bisschen Low Cut bzw. High Pass Filter plus ein leichter Tiefmitten-Boost sollte in Sachen EQ-Einstellung schon ausreichen.

„Invisible Touch“ – Transkription
Ich habe für sämtliche Teile eine exemplarische Bassline notiert, da Darryl Stuermer ständig verschiedene kleine Variationen einstreut und wir es ansonsten eher mit einem Buch als mit ein paar Notenblättern zu tun hätten. Mit Chorus und Vers habe ich für euch die wichtigsten Teile des Songs aufgenommen.
Viel Spaß und bis zum nächsten Mal, euer Thomas Meinlschmidt


