Mitte der 70er-Jahre eroberte eine neuartige Mischung aus Funk und Pop mit explosiven Basslines die Musikwelt: Disco Funk! Was sich zunächst in einer Subkultur auf Parties entwickelte, fand schnell die Aufmerksamkeit der Plattenfirmen – der Siegeszug des Disco Funk war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr aufzuhalten! Bis Anfang der 80er-Jahre reichte die Blütezeit dieses Genres, dann ebbte das Discofieber wieder ab. Seither gibt es jedoch in regelmäßigen Abständen Revivals, zum Beispiel im Jahr 2020. Die letzten Alben von Stars wie Dua Lipa, Kylie Minogue, Miley Cyrus und vielen anderen standen im Zeichen des Disco-Sounds. Für uns Bassist:innen ist diese Stilistik eine Art Paradies, denn der Bass hat sowohl rhythmisch wie auch melodisch eine sehr dominante Funktion inne. Daher beleuchten wir das Thema Disco Funk Basslines in dieser dreiteiligen Workshopreihe näher und analysieren anhand zahlreicher Songs, wie es sich von seiner Entstehung bis heute entwickelt hat.

- Wie verlief die Geschichte der Disco Funk Basslines?
- Wie definiert sich das Groove-Konzept von Disco Funk Basslines?
- Warum spielt der Bass in Disco Funk Basslines häufig Grundton und Oktave?
- Ein Schritt nach vorn beim Disco Funk: Zwei Sechzehntel auf der Oktave
- Was sind typische Basslines mit Disco-Oktaven?
Wie verlief die Geschichte der Disco Funk Basslines?
Die ersten Hits, welche man heutzutage gemeinhin der Ära der Diso-Musik zuschreibt, waren gewissermaßen noch eine Art “stilistischer Hybrid”. Zwar finden sich hier bereits typische Merkmale dessen, was später immer wichtiger werden sollte. Gleichzeitig war jedoch die Prägung durch den Soul der 60er- und frühen 70er-Jahre in der Frühphase dieser Stilistik noch sehr eindeutig zu erkennen.
Auch die ersten Basslines des neuen Genres waren anfangs rhythmisch und melodisch noch nicht so prägnant, stattdessen bestimmten die für den Soul typischen Töne Grundton, Quinte, Sexte für Dur-Akkorde und Grundton, Quinte, Septime für Moll- oder Dominantsept-Akkorde das Geschehen.
Exemplarisch habe ich dafür einen Song ausgewählt, welcher als einer der ersten Hits der Disco-Ära gilt:
Wie definiert sich das Groove-Konzept von Disco Funk Basslines?
Nach und nach emanzipierte sich Disco vom Soul und es etablierte sich eine Art “Formel”, welche sich in zahlreichen Songs wiederfinden sollte: Die Drums spielten einen straighten Groove mit der Bassdrum häufig auf allen vier Vierteln (“4 On The Floor”), und die Tempi bewegten sich allesamt in einem gut “tanzbaren” Bereich zwischen ca. 115 bis 130 bpm.
Die Gitarre übernahm zudem eine eher perkussive Aufgabe und etablierte aus Akzenten und Dead Notes ein 16tel-Raster. Um die Stabilität des Ganzen noch zu unterstützen, wiederholte man ohne große Variationen je nach Akkordfolge zwei- oder viertaktige Patterns.
Warum spielt der Bass in Disco Funk Basslines häufig Grundton und Oktave?
Kommen wir zum E-Bass: Ein Merkmal findet man bei frühen Disco-Basslines besonders häufig: die Verbindung von Grundton und Oktave. Rhythmisch bleibt es häufig bei straighten Achteln, und während auf jeder der vier Viertel der Grundton gespielt wird, erklingt die Oktave auf der “und” (dem sogenannten “Offbeat”).
Das Ziel dieses Aufbaus: Der Offbeat soll den Viertelpuls stets aufs Neue “anschieben”; durch die hohe Oktave wird dieser Effekt durch den Kontrast zur tiefen Bassdrum und dem Grundton auch in melodischer Hinsicht noch zusätzlich unterstützt.
Hier sind drei Songs, die dieses Disco-Bass-Konzept demonstrieren:
Ein Schritt nach vorn beim Disco Funk: Zwei Sechzehntel auf der Oktave
Eine häufig benutzte Variante ist das Aufteilen der Offbeat-Achtel in zwei Sechzehntel. Dieses spezielle Groovekonzept wurde schnell zu einer Art “Blaupause” und wird daher heutzutage auch “Disco-Oktaven” genannt.
Bei den üblichen Tempi der Disco-Musik kann das Ganze allerdings spieltechnisch durchaus herausfordernd werden. Hier seht ihr deshalb vier Wege, die Disco-Oktaven zu meistern:
- klassischer Wechselschlag
- Spiel mit drei Fingern der Schlaghand
- “Fingernagel-Plektrum”
- Plektrum
Fingersätze und Anschlagsrichtungen könnt ihr der beigefügten PDF sowie dem nachfolgenden Video entnehmen.
Was sind typische Basslines mit Disco-Oktaven?
Hier sind zwei von unzähligen Hits, in denen man die tapischen Disco-Oktaven findet: “YMCA” von den Village People und “Dance, Dance, Dance” von Chic.
Im kommenden zweiten Teil dieser Reihe folgt die Emanzipation des Basses von den Oktaven zu einer deutlich melodischeren Rolle.
Viel Spaß, euer Thomas Meinlschmidt


























