Nachdem der schwedische Hersteller Clavia auf der NAMM 2025 die neue Nord Organ 3 vorgestellt hat, folgt jetzt das Nord Piano 6. Zahlreiche Details des Stagepianos wurden gegenüber dem Vorgänger Nord Piano 5 erweitert bzw. überarbeitet.





Das Bedienpanel des Nord Piano 6 bietet ein neues Design und gleicht jenem aus dem Nord Stage 4. Die beiden Sektionen Piano und Sample-Synth bieten jeweils zwei Layer, welche unabhängig voneinander angepasst werden können. Zusätzlich ist jeder Layer mit einem Fader inkl. LED-Anzeige ausgestattet. Insgesamt ist das Nord Piano 6 wesentlich Performance-freundlicher. Eine erweiterte Polyphonie sowie neue Effekte gehören ebenfalls zu den wichtigen Features des Nord Piano 6. Außerdem bietet das Stagepiano eine hochwertige Hammermechanik mit Dreifachsensorik, die es in einer Version mit 73 und 88 Tasten gibt. Welche Neuerungen das Nord Piano 6 noch bereithält, das schauen wir uns in diesem Testbericht genauer an.
Erster Eindruck
Das Nord Piano 6 macht einen wirklich schicken und sehr soliden Eindruck. Die roten Seitenteile aus Holz, sowie das ansonsten aus Metall verarbeitete Gehäuse lassen erahnen, dass es für den täglichen Einsatz auf der Bühne konzipiert wurde. Mit seinen ca. 19 kg ist die 88-Tasten-Version entgegen meiner Erwartung trotzdem recht griffig und einfach aus dem Gehäuse zu holen. Dank der reduzierten Features ist das Bedienfeld im Gegensatz zum Nord Stage 4 übersichtlicher und noch eine Menge Platz, um z.B. etwas darauf abzulegen. Im Übrigen wird das Nord Piano 6 mit dem hochwertigen Nord Triple Pedal 2 ausgeliefert, was wirklich erfreulich ist.
Neues Bedienpanel am Nord Piano 6
Das Nord Piano 6 verfügt über ein überarbeitetes Bedienkonzept. Hatte man bislang nur die Möglichkeit zwischen den globalen Panels A und B hin- und herzuschalten, so verfügt das Nord Piano 6 jetzt über individuell anwählbare Panels.
Besonders auffällig sind die zugehörigen Fader, welche im Betrieb mit grün leuchtenden LEDs ausgestattet sind und mit denen die jeweilige Lautstärke der zugehörigen Panels angepasst wird. Ansonsten ist das Bedienfeld gut strukturiert und bietet neben dem zentralen OLED Display und einiger Menü-Taster auch die praktischen Effekt-Slots auf der rechten Seite, die man bereits von den meisten Nord Keyboards kennt.
Für dich ausgesucht
Alles ist so pragmatisch wie möglich gehalten und erlaubt sofortigen Zugriff auf die wichtigsten Parameter. Das Nord Piano 6 ist also ein Performance-Piano, mit welchem man sicherlich auch ohne Lektüre des mitgelieferten Handbuchs sehr schnell zum Ziel kommt!

Piano Sektion
Mit einem Speicher von 2GB und einer Polyphonie von 120 Stimmen bietet die Piano-Abteilung des Nord Piano 6 eine Menge Platz für die mittlerweile luxuriöse Auswahl der Nord Piano Library. Ab Werk ist das Nord Piano 6 schon mit den neuesten Pianos ausgestattet, zu denen u.a. der White Grand und das Amber Upright in der XL-Version gehören. Die Piano-Sektion verfügt außerdem über die Unison-Funktion, mit der man den Klang der Pianos vervielfachen und verstimmen kann, um z.B. einen schönen Chorus-Effekt à la „Don’t Stop Believin’“ zu erhalten. Ebenso gibt es verschiedene Timbre-Presets, die sich auch sehr für den Einsatz von diversen E-Pianos eignen. Auch die dynamische Kompression gehört zur Piano-Abteilung und verhilft zu mehr Dichte – ganz ohne Verwendung jeglicher Effekte aus der Effekt-Abteilung. Die Anwahl der Piano-Klänge ist in sechs Kategorien unterteilt und erfolgt über den praktischen Drehencoder.
Sample Synth Sektion
Gleich neben der Piano-Sektion befindet sich die Sample-Synth-Abteilung. Auch hier gibt es zwei Layer, welche praktisch über zwei Taster aktiviert und in mittels Fader in ihrer Lautstärke angepasst werden. Die Auswahl der integrierten Klänge reicht von Streicher-Samples über Mellotron-Sounds bis hin zu modernen Synth-Samples. Praktischerweise gibt es auch hier die Unison-Funktion, welche den Klängen auf Wunsch zu deutlich mehr Breite und Chorus verhilft.
Dazu gesellt sich die Mono- bzw. Legato-Funktion, sowie das wählbare Vibrato. Letzteres lässt sich z.B. per Pedal aktivieren oder als Delay, d.h. das Vibrato wird dann verzögert dem Sample hinzufügt. Eine kompakte Lautstärken-Hüllkurve mit den Reglern Attack, Decay und Release
Splitfunktion und Seamless Transitions
Das Nord Piano 6 verfügt über die Nord-typische Split-Funktion. Insgesamt neun mögliche Splitpunkte, welche per LED überhalb der Tastatur gekennzeichnet sind, ermöglichen vielseitige Splits. Im Gegensatz zu den Modellen der Nord Stage Serie kann man mit dem Nord Piano 6 allerdings nur einen Splitpunkt für jedes Programm bestimmen. Jeder Layer kann deshalb wahlweise nur für den oberen, unteren oder beide Splitbereiche eingestellt werden.
Ein praktisches Feature sind die Crossfades, welche wahlweise einen Übergang von 6 oder 12 Halbtönen um den Splitpunkt erlauben. So vermeidet man einen harten „Bruch“ und die Samples werden nahezu fließend übergeblendet. Außerdem ermöglicht das Nord Piano 6 „Seamless Transitions“: beim Umschalten von Klängen reißen diese nicht ab. Auch Effekte wie z.B. Delay- und Hall klingen aus.
Das Nord Piano 6 bietet zahlreiche neue Effekte
In der Effekt-Abteilung des Nord Piano 6 hat sich einiges getan. Alle Effekte – mit Ausnahme des globalen Reverbs – können jetzt individuell pro Layer angewählt werden. Das verhilft dem Nord Piano 6 zu einem wirklich fetten und vielseitigen Sound. Außerdem bieten Mod 1 und Mod 2 neben dem Rate-Regler jetzt auch einen Amount-Regler. Auch finden wir hier neue Effekte, wie z.B. den Spin-Effekt, welcher einer Leslie-Simulation nachempfunden wurde. Mod 2 bietet außerdem eine Mono-Funktion.
Neben dem Amp und dem Comp-Effekt bietet das Nord Piano 6 natürlich auch ein Delay: jetzt sogar mit zwei Ping-Pong-Varianten, Flam-Effekt und einem Filter für das Feedback. Letzterer schickt das Feedback-Signal wahlweise durch einen Hoch-, Tief- oder Bandpass. Das globale Reverb bietet zahlreiche Algorithmen wie z.B. Room, Stage und Hall verfügt zusätzlich über ein Pre-Delay.
Program-Panel
Mittig auf der Bedienoberfläche liegt das zentrale Display des Nord Piano 6. Gleich darunter finden wir sechs Taster, mit denen sechs Programme angewählt werden können. Auch der bekannte Live-Mode für spontane Kreationen ist hier zu finden. In Verbindung mit dem Shift-Knopf dienen diese Sechs Taster zum Aufrufen verschiedener Menüs und zur Navigation tiefergehende Einstellungen. Überhaupt sind fast alle Taster der Bedienoberfläche mit Doppelfunktionen ausgestattet, was die Beschriftung unterhalb dieser Taster erahnen lässt. Damit schafft Nord etwas, das vielen anderen Herstellern nur selten gelingt: eine wirklich einfache und intuitive Bedienung. Zum schnellen Scrollen durch die Programme dienen der praktische Drehencoder sowie zwei Tasten zum Umschalten von Bänken und Menü-Seiten.
Anschlüsse
Alle Anschlüsse des Nord Piano 6 liegen auf der Rückseite. Den Anfang macht der Monitor In, über den per Miniklinke ein externes Audiosignal eingespeist wird. Gleich daneben sind die Audio-Ausgänge: Kopfhörer-Anschluss für 6,3mm Klinke, sowie Line-Out L/R ,und zwei Anschlüsse für Sustain- und Volume / Control-Pedal. Für das mitgelieferte Dreifachpedal bietet das Nord Piano 6 außerdem einen separaten Din-Anschluss.
Mit etwas Abstand finden wir hier außerdem Anschlüsse für MIDI In/Out, USB und einen Foot Switch. Letzterer kann z.B. zum Umschalten von Klängen oder für das Vibrato verwendet werden. Die Buchsen des Nord Piano 6 sind übrigens so robust und verlässlich, dass die Stecker hier wirklich „bombenfest“ einrasten – das ist lobenswert!
Tastatur
Die Tastatur des Nord Piano 6 gehört zur gehoben Klasse. Nord hat hier eine Hammermechanik verbaut, welche mit einer Dreifach-Sensorik und einer sehr guten Haptik ausgestattet ist. Die Gewichtung ist insgesamt sehr angenehm und lässt sich gut spielen, ohne zu leicht oder zu schwer zu sein. Einziger Wermutstropfen: die Tastatur ist nicht skaliert. Diskant und Bass sind also gleich schwer gewichtet. Bedenkt man jedoch, dass das Nord Piano nicht alleine auf das Spielen von Piano-Klängen ausgelegt ist, dann ist das sicherlich ein guter Kompromiss. Außerdem ist sie beim Spielen sehr leise und fühlt sich sehr gut an.
Nord Sound Manager und Sample Editor 4
Um das Nord Piano 6 mit Samples und Sounds zu bestücken, benötigt man den kostenlosen Nord Sound Manager. Damit lassen sich Samples aus dem mittlerweile wirklich immensen Angebot der Nord Library aus dem Netz herunterladen und im Nord Piano 6 speichern. Die einzelnen Sounds werden ganz einfach per Drag und Drop in den Sound Manager und darüber ins Nord Piano 6 geladen.
Neben der Verwaltung von Presets erlaubt der Sound Manager außerdem das Erstellen von Backups. Insgesamt ist die Bedienung jedenfalls sehr einfach und unkompliziert. Wem das noch nicht genug ist, der sollte sich den Nord Sample Editor 4 anschauen. Damit lassen sich im Handumdrehen eigene Samples erstellen und direkt auf die Tastatur mappen. In der neuesten Version ist der Sample Editor so unglaublich intuitiv und einfach zu bedienen, dass ich diese Software an dieser Stelle wirklich loben muss – so schnell und einfach geht es bei keinem anderen Anbieter!