Spätestens seit Paul McCartney den Höfner Violin 500/1 Bass Anfang der 60er-Jahre bei den Beatles einsetzte, ist dieses markante Bassmodell untrennbar mit der Geschichte der Popmusik verbunden. Kein Wunder also, dass Höfner den kultigen Shortscale-Bass bis heute in zahlreichen Varianten baut und dabei auch ganz gezielt historische Modelle wieder aufleben lässt. Der H500/1-61-0 Violin Bass Cavern nimmt dabei eine ganz besondere Stellung ein: Er orientiert sich möglichst exakt an dem ersten Höfner, welchen „Sir“ Paul 1961 in Hamburg kaufte. Sein auffälligstes historisches Detail ist die halsnahe Positionierung der beiden Humbucker. Zusammen mit der kurzen Mensur und der Hollowbody-Konstruktion ergibt sich daraus die perfekte Rezeptur für tiefe, warm-holzige Vintage-Sounds, für die der Beatle Bass bekannt ist. Optisch ist der Cavern mit seiner violinenhaften Korpusform ohnehin kaum zu verwechseln. Aber wie authentisch fällt die Reproduktion des historischen Originals tatsächlich aus, und was hat der kleine Höfner klanglich zu bieten? Genau das wollen wir uns in diesem Test genauer anhören.

- schönes, authentisches Vintage-Design
- klassischer Beatle-Bass-Sound
- guter Spielkomfort
- Flatwound-Saiten
- tadellose Verarbeitung
- schöner, stabiler Koffer
- Handhabung anfangs gewöhnungsbedürftig
Was sind wissenswerte Details zum Höfner Cavern Bass?
Wenn man nach Bildern von Paul McCartney googelt, sieht man den Beatles-Basser hauptsächlich mit seinem Höfner Violin-Bass von 1963, bei dem die Pickups weiter auseinanderliegen. Tatsächlich war sein erster Höfner aber das „Cavern“-Modell mit den in Richtung Hals verschobenen Pickups, und mit diesem Bass hat „Macca“ auch die ersten beiden Beatles-Alben und Hits wie „Love Me Do“, „She Loves You“ oder „Twist and Shout“ eingespielt.
Auf genau diesem Bass beruht unser heutiger Testkandidat, der Höfner H500/1-61-0 Violin Bass Cavern. Die Position der beiden Pickups direkt am Griffbrettende ist dann auch das optische Hauptunterscheidungsmerkmal dieses Modells zu anderen Beatle-Bässen. Davon abgesehen besitzt er natürlich die typischen Merkmale der 500/1-Modelle: den charakteristischen, hohlen Korpus in Form einer Violine, eine kurze 30″-Mensur, sowie eine Lackierung im klassischen Sunburst.
Welche Hölzer kommen beim Höfner H500/1-61-0 Violin Bass Cavern zum Einsatz?
Boden und Zargen des H500/1-61-0 bestehen aus schick geflammtem Ahorn, während für die Decke ausgesuchtes Fichtenholz zum Einsatz kommt. Die Kanten ziert ein aufwändiges Binding in „Schwarz/Weiß/Schwarz“, und ein schickes Perloid-Pickguard macht den klassischen Look komplett.
Der Hals ist bis etwa zum 16. Bund in den Korpus eingeleimt und besteht aus drei Teilen: Zwei Streifen geflammten Ahorns wurden mit einem schmalen Streifen Buchenholz verleimt. Auf der Rückseite des klassischen Halsfußes sitzt eine kleine Platte aus Perloid – ein Detail, das man leicht übersieht, welches aber durchaus die Liebe zum Detail widerspiegelt, die Höfner bei der Fertigung seiner Modelle an den Tag legt. Bei manchen 500/1-Modellen findet sich hier auch ein Gurtpin, beim H500/1-61-0 Violin Bass Cavern verzichtet die Company allerdings darauf.
Das dunkelbraune Palisandergriffbrett ist mit 22 Bünden und einem Nullbund bestückt. Für die Orientierung auf dem Shorty sorgen runde Lagenmarkierungen aus Perlmutt. Aufgrund des Nullbundes dient der herkömmliche Sattel lediglich zur Saitenführung und hat keinerlei Einfluss auf den Klang. Er besteht aus drei Lagen Kunststoff und kommt passend zum Binding in einer „Weiß/Schwarz/Weiß“-Optik. Der Hals ist natürlich ebenfalls in Sunburst lackiert, wodurch die schöne Flammung des Ahorns besonders gut zur Geltung kommt.
Welche Hardware besitzt der Höfner H500/1-61-0 Violin Bass Cavern?
Wie es sich für ein Reissue-Modell gehört, ist der Höfner H500/1-61-0 Violin Bass Cavern natürlich mit Flatwound-Saiten bespannt, die auf der schwarz lackierten, leicht nach hinten abgewinkelten Kopfplatte von vier Single Nickel „Rugby Ball“-Tunern aufgenommen werden. Dabei handelt es sich um offene Einzelmechaniken mit den charakteristischen „Rugby-Ball“-Flügeln aus Kunststoff, die dem Original von 1961 nachempfunden sind. Auf der Kopfplatte befindet sich natürlich auch – unter einer Plastikabdeckung – der Zugang zum Halsspannstab.
Am Korpus werden die Saiten von einer Stegkonstruktion aufgenommen, die im Wesentlichen aus zwei Teilen besteht: Die Ballends sitzen in einem schwebenden, trapezförmigen Saitenhalter, der in einem an der Zarge befestigten Metallwinkel hängt. Auf dem Befestigungswinkel sitzt außerdem der hintere Gurtpin, der aus weißem Kunststoff besteht. Der eigentliche Steg wurde aus Ebenholz gefertigt und kann mit zwei Rändelschrauben in der Höhe justiert werden. Die Saiten laufen hier über kleine, in Rillen eingelassene Metallreiter, die versetzt angeordnet sind, um eine möglichst präzise Intonation zu gewährleisten.
Für den Sound sind natürlich zwei vernickelte Humbucker aus dem Hause Höfner zuständig, die im typischen 61er-Cavern-Spacing installiert wurden – sie sitzen also direkt am Griffbrettende mit einem Abstand von etwa 7 cm zueinander. Zum Einsatz kommen beim Cavern die historischen H510B „Diamond“-Mini-Humbucker, die sich von den später verwendeten Staple-Pickups vor allem durch ihre stärkere Wicklung unterscheiden und mit rund 12 kΩ einen deutlich höheren Gleichstromwiderstand aufweisen.
Geregelt wird der Sound über die traditionelle Höfner HA2-B-Elektronik, die für jeden der beiden Tonabnehmer einen eigenen Lautstärkeregler bereithält. Dazu kommen zwei Schalter, mit denen sich die Pickups jeweils einzeln in den Solobetrieb schalten lassen.
Die etwas ungewöhnliche Schalterlogik erschließt sich dabei recht schnell, wenn man die Bezeichnungen berücksichtigt: Mit dem Treble-Schalter auf „On“ wird ausschließlich der Stegtonabnehmer aktiviert, während der Bass-Schalter in der „On“-Position nur den Halstonabnehmer durchlässt. Etwas überraschend ist allerdings, dass bei beiden Schaltern in der „On“-Stellung überhaupt kein Ton mehr zu hören ist. Wer beide Pickups gleichzeitig nutzen möchte, muss deshalb beide Schalter in der Ausgangsstellung belassen und die gewünschte Mischung anschließend über die beiden Volume-Regler einstellen.
Für eine zusätzliche Lautstärkeanpassung sorgt der dritte Schalter mit der Bezeichnung „Rhythm/Solo“. In der Rhythm-Stellung ist das Signal laut Bedienungsanleitung rund 20% leiser und zudem werden die Höhen leicht abgesenkt, während der Solo-Modus das Signal entsprechend anhebt. Wie sich diese Unterschiede konkret bemerkbar machen, hören wir uns später in den Audiobeispielen an. Untergebracht ist die komplette Schalter- und Reglersektion auf einer schicken Kontrollplatte aus Perloid, die in Verbindung mit dem passenden Pickguard den klassischen 60er-Jahre-Look des Beatle-Basses bestens unterstreicht.
Die generelle Qualitätsanmutung und die Verarbeitung unseres Testmodells sind übrigens über jeden Zweifel erhaben. Der Bass wirkt extrem hochwertig und leistet sich weder bei der Lackierung noch bei der Holzkonstruktion oder der Bundierung irgendwelche Patzer – alles bewegt sich hier auf höchstem Niveau. Klar, das darf man aber natürlich auch erwarten, wenn man dafür 3000,- Euro über die Ladentheke schiebt.
Schön ist zudem der Formkoffer, in welchem der Höfner H500/1-61-0 Violin Bass Cavern ausgeliefert wird. Er kommt mit einer eleganten Gewebeoptik und bietet etwas Stauraum für Kleinkram wie Kabel oder einen Clip-Tuner. Als Case-Candy gibt es ein Poliertuch, etliche Sticker, einen Inbusschlüssel für Einstellarbeiten und einen zweiten Gurtpin, den man nach Belieben am Bass anbringen kann. Außerdem liegt eine kleine Mappe bei, in der sich das Zertifikat samt Unterschrift des Erbauers, einige Fotos zur Geschichte von Höfner, und eine Anleitung zum Umgang mit der Elektronik befinden.








