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INSIDE: Jamiroquai – Interview mit Live-Keyboarder & Musical Director Matt Johnson

Als Keyboarder von Jamiroquai ist Matt Johnson regelmäßig auf den großen Bühnen der Welt unterwegs. Zwischen seinen Tour-Terminen hat er sich Zeit für Bonedo genommen. Im Interview spricht er über KI, aktuelle Entwicklungen in der Live-Event-Branche und seine große Leidenschaft: E-Pianos und Synthesizer.

MattJohnson: Interview.
Matt Johnson im Interview: Live-Gigs, Pianos und Synthesizer.

Als Live-Keyboarder bist du auf der ganzen Welt unterwegs. Welche Live-Gigs, Begegnungen oder Events sind dir besonders in Erinnerung geblieben?

Da gibt es einige. Rock in Rio war großartig – 130.000 Menschen waren dort und Stevie Wonder spielte am selben Abend. Wir haben uns seine komplette Show angesehen, und sie war fantastisch! 

Auch das Coachella Festival mit Snoop Dogg als Gast war großartig. Johannesburg im Jahr 2002 war ebenfalls der Hammer – ein unglaubliches Publikum! Ich habe ziemlich viele solcher euphorischen Momente erlebt.

Du bist seit vielen Jahren Teil der Live-Musikbranche. Hast du das Gefühl, dass sich die Live-Musikszene verändert hat, insbesondere nach der COVID-19-Pandemie?

Ich glaube nicht, dass COVID-19 die Szene nachhaltig verändert hat. In dieser Hinsicht fühlt es sich inzwischen wieder normal an. Ich denke eher, dass die Branche im Laufe der Jahre deutlich kommerzieller geworden ist und Musiker häufiger wie Ware behandelt werden als wie das Zentrum der Musikwelt. Meiner Meinung nach sind die Ticketpreise auch viel zu hoch.

Viele kennen dich als festes Mitglied von Jamiroquai. Welche Rolle übernimmst du dort konkret? Und hast du bei deinem eigenen Projekt mehr musikalische Freiheiten?

Als Musical Director (MD) schlage ich häufig Änderungen an den Arrangements vor. Bei der aktuellen Show beispielsweise stammt das komplette Intro von mir. Ich habe die Band zunächst einige Hits spielen lassen, anschließend zu Hause ein paar Sequencer-Parts programmiert und sie am nächsten Tag mitgebracht. Sowas mache ich regelmäßig.

Außerdem nehme ich die musikalischen Signale von Jay auf und gebe sie an die anderen Musiker weiter. Das liegt daran, dass Jay Änderungen manchmal extrem kurzfristig ankündigt. Wenn ich diese Signale an die Band weitergebe, verhindere ich gewissermaßen musikalische Crashs! 

Meine Solo-Shows sind für mich unglaublich befriedigend, weil ich mich dort musikalisch richtig austoben und frei ausdrücken kann.

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Wie bereitest du dich mental und musikalisch auf Gigs und Tourneen vor? Hast du bestimmte Strategien oder Routinen, die du anderen Musikern empfehlen kannst?

Das Wichtigste ist, die Stücke so gut zu beherrschen, dass man selbstbewusst und sicher darin ist. Oder anders gesagt: Wer sich nicht vorbereitet, bereitet sich auf den Misserfolg vor!

Arbeitest du im Studio heute häufiger mit DAWs und anderer Musiksoftware? Welche Plugins verwendest du besonders gerne?

Ich arbeite im Studio mit Pro Tools. Meine Plugins sind eigentlich ziemlich klassisch – für EQs und Kompression nutze ich meistens SSL. Ich mag aber auch die UAD-Sachen. Das Distressor-Plugin ist großartig, und für Delays verwende ich gerne EchoBoy. Letztendlich nehme ich aber einfach das, was den Job erledigt.

Das Fender Rhodes ist ein zentrales Instrument in deinem Setup. Welche E-Pianos spielst du am liebsten? Und wie wichtig sind zusätzliche Effekte für deinen Sound?

Ich spiele hauptsächlich Vintage Vibe Pianos. Ich habe ein Marquis 73, das fantastisch ist – allerdings sind solche Instrumente ziemlich teuer. Bei Vintage-Rhodes mag ich persönlich die MK2-Modelle. Sie haben meiner Meinung nach generell eine bessere Tastaturmechanik.

Ich spiele das Rhodes am liebsten mit einer Amp-Simulation. Dafür nutze ich das UAD Dream Pedal. Das ist ziemlich gut und liefert außerdem einen Spring-Reverb-artigen Effekt. Auf dem Rhodes experimentiere ich auch gerne mit MXR-Phaser und Chorus.

Tatsächlich kommt bald ein analoges Multi-Effektpedal von mir heraus, mit Stereo-In und -Out sowie Chorus, Delay und Distortion. Das klingt richtig gut!

Welchen polyphonen Synthesizer magst du besonders gerne und was gefällt dir an ihm?

Das ist schwer, sich für einen zu entscheiden. Der Prophet-5 ist großartig, weil er sich in so viele musikalische Situationen einfügt. Ich liebe auch die modernen Moogs, den Muse und den One. Beide kommen bei mir häufig zum Einsatz. Wenn ich mir eine digitalere Klangtextur wünsche, nutze ich gern den 3rd Wave und den Waldorf Iridium.

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Synthesizer-Workstations sind heute bei Live-Auftritten sehr beliebt. Gibt es eine bestimmte Workstation, die du besonders magst – und warum?

Ja, das ist die Yamaha Montage M8X. Meiner Meinung hat sie ihrer Konkurrenz einiges voraus. Man hat Samples, FM-Synthese und Virtual Analog – damit deckt man unglaublich viele Bereiche ab. Und die Yamaha-Tastatur ist für mich mit Abstand die beste auf dem Markt.

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Welche Synthesizer schätzt du als Keyboarder besonders für Soloparts und Lead-Lines?

Der Minimoog ist natürlich großartig. Auch den Prophet-5 liebe ich dafür. Manchmal nehme ich auch einen Oberheim OB-XA, wenn ich einen besonders großen und mächtigen Sound möchte.

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Moog Minimoog Bob Moog Tribute Ed.
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Du singst live – wie stehst du zu Vocodern, Talkboxes und ähnlichen Vocal-Effekten?

Ich liebe den Electro-Harmonix V256 – den verwende ich auch live. Das Coole daran ist, dass ein Stompbox-Pedal ist: Ich kann den Effekt einfach umgehen und das Mikrofon entweder als normales Gesangsmikrofon oder für den Vocoder nutzen.

Außerdem verfügt das Gerät auch über einen Carrier-Signal-Ausgang. Dadurch kann ich das Signal auch separat herausführen, wenn ich den Vocoder gerade nicht nutze.

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Electro Harmonix V256 Vocoder
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Was hältst du von polyphonem Aftertouch, Ribbon Controllern und MPE?

Für meine Begriffe werden diese Dinge etwas überschätzt. Poly-Aftertouch gefällt mir durchaus, vor allem bei ruhigeren Passagen auf Aufnahmen. Im Zusammenhang mit einer Live-Band finde ich es allerdings nicht sinnvoll. Ein Expression-Pedal ist mir lieber als ein Ribbon Controller, weil ich dadurch beide Hände frei bleiben.

Dein YouTube-Kanal „Matt Johnson’s Keyspace“ ist ziemlich beliebt – welche Pläne hast du für kommende Videos?

Das weiß ich momentan noch nicht. Ich bin dieses Jahr so stark mit Touren beschäftigt, dass es schwierig ist, Zeit für Dreharbeiten zu finden!

Was machst du momentan häufiger: Sounds programmieren, Songs arrangieren oder Klavier üben?

Meistens übe ich Klavier. Das hängt aber stark davon ab, was ich gerade mache.

Spielt KI bereits eine Rolle im Arbeitsalltag von Live-Keyboardern? Nutzt du KI für eines deiner Musikprojekte?

Nein, ich verabscheue KI geradezu und würde sie niemals verwenden. Ich bin mir sicher, dass viele Menschen sie gern nutzen, aber für mich hat sie überhaupt keinen Reiz.

Zum Abschluss: Was wolltest du deinen Fans und anderen Musikern schon immer einmal sagen?

An meine Fans: vielen Dank für eure Unterstützung – immer! Und an alle Musiker: Keep rocking!

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