Das LD Systems Maui 28 G3 Mix gibt sich die Ehre zum Praxistest – ein Säulen-PA-System, das den All-in-one-Gedanken verinnerlicht hat. Kein separates Mischpult, kein Kabelsalat, kein Stativ-Terror: Das System aus dem Hause Adam Hall vereint einen integrierten 6-Kanal-Digitalmixer, App-Steuerung per Smartphone und eine Cardioid-Säule in einem kompakten Gehäuse – und damit eine Abstrahlcharakteristik, die bisher vor allem von deutlich teureren Beschallungssystemen bekannt ist. Ob das Konzept des Maui 28 G3 Mix auch in der Praxis überzeugt, klären wir in diesem Test.

- integrierter 6-Kanal-Digitalmixer mit Easy- und Expert-Modus
- MAUI-App für iOS und Android (Fernsteuerung)
- Cardioid-Säule mit kontrollierter Abstrahlung (120° x 30°)
- Bluetooth 5.0 mit hochwertiger AAC-Codierung
- zwei XLR/Klinke-Kombi-Eingänge mit Hi-Z-Funktion (Kanal 1+2)
- 48 V Phantomspeisung für Kondensatormikrofone
- SysLink-Kopplung für Stereo-Betrieb mit doppelter Kanalzahl
- schneller Aufbau ohne Stative, keine externe Verkabelung nötig
- optionaler zweiter Subwoofer für Cardioid-Setup oder erweitertes Low-end
- hohes Gesamtgewicht (36,2 kg)
Was ist im Lieferumfang des LD Systems Maui 28 G3 Mix?
Das LD Systems Maui 28 G3 Mix wird in zwei Kartons geliefert. In einem residiert der Subwoofer, in dem anderen zwei Aluminium-Säulenelemente. Weiteres Zubehör wie Transporttaschen für Subwoofer und Säulen ist separat erhältlich, was beim Preis des Systems etwas irritiert. Eine gedruckte Bedienungsanleitung liegt bei, außerdem ein PowerCon-Netzkabel für den Subwoofer. Die kostenlose MAUI-App für iOS und Android kann separat über den jeweiligen App-Store heruntergeladen werden.


Wie ist das Gehäuse der Säulen-PA beschaffen?
Das Maui 28 G3 Mix macht optisch einen richtig guten Eindruck. Der Subwoofer ist aus 15 mm Birken-Multiplex gefertigt und mit einer Polyurea-Beschichtung versehen, die robust wirkt und auch ruppigen Transportbedingungen standhalten sollte. Die Aluminium-Säulenelemente sind pulverbeschichtet und sitzen am vorderen Rand des Subwoofers. Das ergibt eine nahtlose, elegante Gesamtoptik, die auf kleinen Bühnen oder bei Firmenevents nicht deplatziert wirkt.
Das Bedienfeld sitzt auf der Rückseite des Subwoofers und ist übersichtlich gestaltet. Ein Farbdisplay zeigt die aktuellen Einstellungen an, drei Dreh-Drück-Encoder und eine Page-Taste ermöglichen die Navigation durch die Menüs. Alle Buchsen und Stecker sitzen stramm und vermitteln einen professionellen Eindruck. Der Aufbau ist intuitiv: Sub hinstellen, Säulenelemente einstecken, Kabel rein – fertig. Stative braucht ihr in der Regel nicht.
Das Gesamtgewicht von 36,2 kg ist für eine Person schon eine Herausforderung. Wer das System regelmäßig alleine schleppt, sollte sich das optional erhältliche Rollbrett von LD Systems ansehen.



Welche Ein- und Ausgänge bietet das LD Systems Maui 28 G3 Mix?
Die Anschlussausstattung auf der Rückseite des Subwoofers ist durchdacht. Vier Kombi-Eingänge (XLR/Klinke) stehen für analoge Signale bereit. Kanal 1 und 2 sind dabei Mono-Eingänge mit umschaltbarer Impedanz (Hi-Z, Mic, Line), was bedeutet, dass ihr dort direkt E-Gitarre, Bass, Mikrofon oder Line-Quellen anschließen könnt. Kanal 3 und 4 bilden einen Stereo-Eingang, ideal für Keyboards oder Zuspieler. Hinzu kommt die Bluetooth-5.0-Verbindung auf den Stereokanal 5/6 für drahtloses Streaming.
Auf der Ausgangsseite gibt es einen Sub-Out und einen System-Out per XLR, zwei Monitor-Ausgänge (XLR) sowie einen SysLink-Anschluss zur Kopplung von zwei Maui-28-G3-MIX-Systemen. Ein Fußschaltereingang rundet das Bild ab – praktisch, um Effekte auf Kanal 1 und 2 per Fuß zu steuern. Für die Kanäle 1 und 2 lässt sich zudem eine 48-V-Phantomspeisung zuschalten, was den Einsatz von Kondensatormikrofonen am System ermöglicht.
Welche DSP-Funktionen und Mixer-Ausstattung bietet das Säulen-PA-System
Das Herzstück des Maui 28 G3 Mix ist der integrierte 6-Kanal-Digitalmixer. Er lässt sich im Easy-Modus und im Expert-Modus bedienen. Im Easy-Modus habt ihr einfache 3-Band-EQs und schnellen Zugriff auf die wichtigsten Parameter. Wer mehr will, wechselt in den Expert-Modus und bekommt 5-fach-vollparametrische EQs, Kompressor, Gate, Delay und Reverb – pro Kanal einzeln einstellbar. Das ist für ein integriertes System beachtlich.
Der DynX-DSP der zweiten Generation übernimmt die Systemsteuerung für Sub und Säule. Er sorgt für automatische Übergangsfrequenzen, Limiter und Schutzschaltungen, sodass ihr euch im Gig keine Gedanken über DSP-Einstellungen machen müsst. Das System konfiguriert sich selbst. Auch die automatische Setup-Erkennung funktioniert: Nehmt ihr die Säule ab und nutzt den Sub allein, schaltet das System automatisch in den Follower-Modus um.



Was steckt hinter der Cardioid-Abstrahlung der Säule?
Die Cardioid-Charakteristik der Maui-28-G3-Säule ist kein Marketing-Gag, sondern eine akustische Eigenschaft, die im Live-Betrieb einen deutlichen Unterschied macht. Bis vor Kurzem war diese Technik eher deutlich teureren Profisystemen vorbehalten, wie zum Beispiel den Axiom AX Säulen von Proel. Das Maui 28 G3 Mix bringt diese Technologie in ein kompaktes All-in-one-System.
Aber wie funktioniert das? Eine normale Säule strahlt Schall gleichmäßig nach vorne und je nach Breite der Schallwand auch seitlich und rückwärtig ab. Das kann bei vielen offenen Mikrofonen auf der Bühne schnell zu einem Problem werden. Schall, der nach hinten abstrahlt, trifft auf Bühnenmikrofone und reflektierende Flächen, was Rückkopplungen begünstigt und den Bühnensound verwäscht. Versucht man diese Artefakte mittels EQ abzumildern, korrumpiert man zwangsläufig damit auch seinen Mix nach vorne. Eine cardioid abstrahlende Säule löst dieses Problem durch gezielte akustische Auslöschung in der Rückwärtshalbebene.
Beim Maui 28 G3 nutzte man gleich zwei Techniken, um die Abstrahlung nach hinten zu minimieren. Zum einem ist hinter den Treibern Absorberschaum angebracht und zum anderen erzeugt man durch rückwärtige Öffnungen in der Schallwand eine passive Laufzeitenverschiebung, die rückwärtige Auslöschungen durch Interferenz erzeugt. Die Signale löschen sich gegenseitig aus. Ergebnis: bis zu 18 dB Dämpfung nach hinten bei gleichzeitig vollem Sound nach vorne. Das Prinzip ist vergleichbar mit einem Cardioid-Subwoofer-Setup, das im professionellen Live-Sound seit Jahren Standard ist – nur hier auf die Säule übertragen. Apropos Subwoofer: Gönnt man sich einen zweiten, optionalen Subwoofer, dann kann man diesen wahlweise auch als Cardioid-Bass verwenden und somit das gesamte System im Cardioid-Modus betreiben.
Die LD Systems MAUI-App
Die kostenlose MAUI-App für iOS und Android ist ein weiteres Highlight des Systems. Einmal per Bluetooth mit dem System verbunden, habt ihr alle Mixer- und Effekteinstellungen auf dem Smartphone – und das aus jeder Position im Raum. Beim Soundcheck lässt sich der EQ aus dem Zuschauerbereich heraus anpassen, ohne ständig zur Rückseite des Subwoofers zu laufen. Das ist im Alltag ein echter Komfortgewinn.
Die App unterteilt sich in den Easy- und den Expert-Modus. Im Easy-Modus seht ihr kompakte Kanalstreifen mit Lautstärke, EQ und grundlegenden Effekten. Ihr könnt Kanäle benennen und mit Farben versehen, was bei mehreren Kanälen die Übersicht erheblich verbessert. Der Expert-Modus öffnet die vollständige Effektsektion mit Parametric EQ, Compressor, Gate, Delay und Reverb. Das Delay ist besonders praktisch, wenn ihr mehrere Systeme im Raum aufstellt und Laufzeitunterschiede ausgleichen müsst.
Wer zwei Maui 28 G3 MIX per SysLink koppelt, bekommt in der App die doppelte Anzahl an Kanälen angezeigt und kann über den REMOTE-Button beide Systeme von einem Gerät aus steuern.


























