Ableton Live 12. 3 & 12.4 Test

Ableton Live behält sein hohes Updatetempo bei. 12.3 brachte bereits Stem-Separation, Splice und verschiedene langersehnte Features. Kürzlich überraschte die erste Beta von 12.4 dann mit einer Erweiterung des Link-Protokolls zum Synchronisieren mehrerer Rechner. Außerdem hat Live viele der hauseigenen Effekte verbessert – alle Features bei uns im Test! 

Wenn es um wichtige aktuelle Features geht, ist Ableton selten unter den Schnellsten – wie man beispielsweise an der in Version 12.3 eingeführten Stem-Separation sieht. Bei früheren Ausgaben betraf das etwa VST3 oder MPE. Nimmt man nun aber alle neuen Features und Verbesserungen der 12er-Generation (12.0, 12.1, 12.2, 12.3 und 12.4) zusammen, ist deren Umfang gerade im Vergleich zur Konkurrenz doch ziemlich beachtlich. Anlass genug, sich die neuesten Updates genauer anzusehen!

Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • Group Bounce zum schnellen Resampling
  • Mehr Möglichkeiten in Auto-Pan/Tremolo und Erosion
  • Einfache Zusammenarbeit durch Link Audio
  • Stem-Separation für Remixe und Sounddesign
Contra
  • Group Freeze nicht möglich

Highlights Live 12.3 und 12.4 Beta

  • 12.3: Stem-Separation zum Trennen von Musik und Gesang
  • 12.3: Splice direkt im Browser
  • 12.3: Group Bounce, neues Auto-Pan/Tremolo, A/B-Vergleich bei Effekten 
  • 12.4 Beta: Link Audio zum einfachen Verbinden zweier Rechner mit Ableton
  • 12.4 Beta: Re-Design vom Erosion-Effekt
  • 12.4 Beta: Neuer Learn-Modus, Detailverbesserungen bei Delay und Chorus-Ensemble

DETAILS & PRAXIS

Ableton 12.3 mit Offline-Stem-Separation und Splice

Das Auftrennen fertig abgemischter Musik oblag viele Jahre lang hauptsächlich Online-Anbietern wie Moises oder Lalal.ai. Wer für Remixes oder Instrumentals bisher Stem-Separation brauchte, musste die DAW daher immer verlassen.

Mit dem Update auf Version 12.3 hat Ableton sich nun mit Music.ai, der Mutterfirma von Moises, zusammengetan und die Möglichkeit, Gesang, Drums, Bass und andere Instrumente voneinander zu lösen, kurzerhand in die DAW integriert. Dazu braucht ihr keine Internetverbindung, habt kein Workaround und bekommt stattdessen alles aus einem Guss. 

Neues Feature Stem-Separation in Ableton Live 
Der Original-Audio-Clip wird nach der Stem-Separation stummgeschaltet. 

Was auffällt, ist, dass die Offline-Stem-Separation im Vergleich zu den Online-Anbietern nicht besonders schnell arbeitet. So benötigt Ableton für einen Testsong von 04:30 Minuten Länge auf meinem Macbook Pro mit M1 Pro gute fünf Minuten. Auf vielen Windows-Systemen soll es wohl sogar noch länger dauern. 

Das liegt an der rechenintensiven spektralen Analyse. Auch andere DAWs oder Softwares wie SpectralLayers oder RipX DAW sind da nicht unbedingt schneller. Qualitativ liegt man bei Live 12.3 im Vergleich zu Logic (mit die beste DAW-Stem-Separation) oder FL Studio (oft mit Artefakten) im oberen Mittelfeld. Für Remixes und Instrumentals reicht das Feature in den meisten Fällen allemal. 

Splice-Samples lassen sich zum Weiterverarbeiten direkt in Simpler oder Sampler ziehen. 

In 12.3 kam außerdem noch ein Feature hinzu, das für mich persönlich eher in die Kategorie „Wer’s braucht“ fällt: One Shots und Loops vom Sample-Giganten Splice könnt ihr jetzt direkt (Abo vorausgesetzt) in Abletons Browser laden, suchen und verwalten. Wen dieser zusätzliche Arbeitsbereich stört, der kann den Splice-Bereich in den Einstellungen übrigens einfach deaktivieren.

Audio Samples
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01. Ableton 12 Demo Song 02. Stem Separation von Ableton 12 Demo Song: Drums, Vocals, Bass, Other

Arbeitet man dagegen eh viel mit Loops und Samples, ist das Feature natürlich ein echter Gewinn. Sogar die global eingestellte Tonart kann mittlerweile bei Splice übernommen werden. Und auch die „Similar Sounds“-Funktion kann man in Splice indirekt nutzen. Ihr könnt jeden Loop, der mindestens einen Takt lang ist, ins Splice-Fenster ziehen, damit euch dort ähnliche Sounds aus dem Splice-Universum angezeigt werden. 

Neues Auto-Pan/Tremolo und Workflow-Verbesserungen

Ableton scheint allen Live-Devices nach und nach eine Verjüngungskur zu verpassen. Nach dem 12.2-Auto-Filter ist in 12.3 nun Auto-Pan dran. Vorbei sind die Zeiten, in denen man einen Tremolo-Effekt umständlich im alten Auto-Pan einstellen musste, jetzt gibt es für beide Teileffekte eigene Bereiche. 

Wer Retro-Tremolo-Effekte aus der Fender-Rhodes-Welt mag, wird Auto-Pan lieben! 

Außerdem gibt es jetzt mehr als doppelt so viele Wellenformen (9), einen Envelope-Follower, der Auto-Pan und Tremolo je nach Lautstärke schneller laufen lässt, und zwei zusätzliche Tremolo-Modi – Harmonic Tremolo (hohe und tiefe Frequenzen bekommen unterschiedliche Tremolo-Geschwindigkeiten) und Vintage Tremolo (leichte Saturation). 

Audio Samples
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03. Piano mit Vintage-Tremolo-Effekt 04. Piano mit Auto-Pan

Endlich kann man Gruppen rendern! 

In 12.3 sind tatsächlich zwei Features hinzugekommen, bei denen ich nach der Ankündigung laut „Halleluja“ gerufen habe: „Group Bounce in Place“ und „Gebounctes Audiomaterial einfügen“. Bei Group Bounce in Place fehlt jedoch seltsamerweise die Vorstufe – Gruppen lassen sich bouncen, aber nicht einfrieren. Gruppensignale nun nicht mehr umständlich per Resampling aufnehmen zu müssen, ist immerhin ein enormer Zeitgewinn. 

Alle Effekte in den Einzelspuren und der Gruppenspur werden mitgerendert. 

„Gebounctes Audiomaterial einfügen“ spart dagegen fast noch mehr Zeit: Markiert und kopiert man den Abschnitt eines MIDI- oder Audio-Clips im Arrangement, fügt man ihn mithilfe dieses Befehls als fertig gerenderte Version in eine neue Audiospur ein. Vor allem Kniffe wie Reverse Reverb oder Reverse Delay gehen auf diese Weise so viel schneller. Ihr könnt nun bei allen nativen Ableton-Audioeffekten zwei Presets oder Einstellungen per A/B-Vergleich gegenüberstellen, was gerade beim Mixing eine große Hilfe sein kann. 

Ableton rendert automatisch alle Effekte in den aus der Audiospur kopierten Teil. 

Das wichtigste neue Feature in der jüngst veröffentlichten Beta von 12.4 ist die Ableton-Link-Erweiterung. Diese von Ableton entwickelte und mittlerweile in viele DAWs und Apps integrierte Schnittstelle ermöglicht es, mehrere Live-Instanzen oder Link-fähige Sequencer synchron abzuspielen. Auch verschiedene Musik-Apps, DJ-Controller und MIDI-Hardware verfügen bereits über Ableton Link. 

Hier werden die angeschlossenen Rechner inklusive Ableton-Instanzen angezeigt. 

Die Weiterentwicklung heißt nun Link Audio. Damit synchronisiert ihr nicht mehr nur die Clock und Wiedergabe. Ab sofort könnt ihr auch einzelne Audiospuren, ganze Gruppen oder gleich das Master-Signal von einem zweiten, dritten und vierten Rechner direkt als Audiospuren einschleifen. 

Ableton betont, dass Link Audio anders funktioniert als die reine Wiedergabesynchronisation von Link. Entscheidend ist, dass die Rechner verkabelt verbunden sind, also direkt per USB, LAN-Kabel oder in einem LAN-Netzwerk. Bei drahtlosen Verbindungen kann es zu Dropouts und Synchronisationsverlusten kommen.

Schnelles Aktivieren von Link Audio über einen Rechtsklick auf die Schaltfläche. 

Die Idee von Link Audio ist es, die Zusammenarbeit deutlich zu erleichtern. Beim Jammen kann nun einer Clips abfeuern, während der andere sie direkt am Master-Rechner ins Projekt einbindet. Damit geht Ableton einen gewaltigen Schritt weg vom einsamen, isolierten Produzieren.

Ableton hat außerdem gleichzeitig Link Audio Open Source veröffentlicht, sodass andere DAWs oder Apps wie Koala Sampler das Feature bald integrieren können. 

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Mehr Informationen

Erosion, Chorus-Ensemble und Delay

Mit Erosion hat der nächste Ableton-Effekt eine Frischzellenkur bekommen. Irgendwo zwischen Bitcrusher und Noise-Modulierer angesiedelt, hellt Erosion zum Beispiel zu dumpfe Drum-Loops und mumpfige Bässe auf oder kratzt sie an. Die neue Version in 12.4 kommt außerdem mit einer rundumerneuerten Optik und einigen Detailveränderungen. 

So gibt es jetzt nicht mehr nur die drei festen Wellenformen „Sine“, „Noise“ und „Wide Noise“ zur Auswahl, sondern lassen sich diese Wellen dank „Noise Blend“ nun auch stufenlos mischen. Auf diese Weise klingt der Effekt vielseitiger. Daneben lässt sich Erosion über den neuen „Stereo“-Parameter auch verbreitern. 

Erosion bietet mehr Soundmöglichkeiten und eine neue Oberfläche.

Kleine Details hat man in Live 12.4 auch bei den nativen Effekten „Chorus-Ensemble“ und „Delay“ verändert. Ableton hat dem Chorus-Effekt in Chorus-Ensemble zwei neue Parameter spendiert, die den Effekt legendären Chorus-Pedalen wie dem Boss CE-2 ähneln lassen. Der neue Time-Parameter legt jetzt auf Wunsch eine statische Delay-Zeit fest, während man per „Tap“ bestimmt, ob eine oder zwei Kopien des Signals moduliert werden. 

Neue Klangmöglichkeiten in Chorus-Ensemble und Delay

Auch der gute alte Ableton-Delay hat ein kleines Analog-Sound-Update bekommen. Aber nicht etwa mit Emulationen alter Studiolegenden – vielmehr hat Ableton die integrierte Modulationsengine aufgebohrt. Vorher gab es hier einen Geschwindigkeitsregler von 0 bis 40 Hertz sowie die beiden Modulationsziele Delay und Time, die Modulation erfolgte mithilfe einer Sinuskurve. Jetzt könnt ihr noch weitere Wellenformen wählen und den LFO auch zum Songtempo synchronisieren. Mit etwas Detailarbeit klingt Delay so um einiges analoger. 

Audio Samples
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05. 808-Bass ohne, dann mit Erosion 06. Piano mit neuem Chorus-Effekt mit fester Delay-Zeit 07. Vocal-Sample mit neuem Delay mit Modulation 

Neuer Learn-View und weitere Verbesserungen in 12.4

Als Ableton-Nerd kommt man mit den integrierten Übungen nur dann in Berührung, wenn man sie Neueinsteigern empfiehlt. Denen will die rundumerneuerte Learn-Ansicht jetzt außerdem noch besser auf die Sprünge helfen. Ableton stellt nun eine Vielzahl an offiziellen Lern-Videos zur Verfügung. 

Wie immer in der Betaversion ist das Ganze auch hier noch komplett auf Englisch – sprich Texte, Untertitel und Videos. Daher kann ich nicht ganz beurteilen, wie gut sich die Funktion für deutschsprachige Einsteiger eignet. Praktischerweise braucht ihr aber scheinbar keine Internetverbindung, um euch die Videos anzusehen, was den Einstieg erleichtert. 

Neben Videos zu Einsteigerthemen gibt der jeweilige Hilfetext auch Tipps zur praktischen Umsetzung. 

Sogar die gerade erst eingeführte Stem-Separation wurde in Ableton in 12.4 weiter verbessert. So lassen sich jetzt auch nur kleine Teile eines Audio-Tracks auftrennen. Vorher musste man immer die gesamte Audiodatei splitten, auch wenn man nur einen bestimmten Part benötigte. 

Außerdem kann man Stems hinterher auch direkt wieder zusammenführen. So könnt ihr zum Beispiel einfach nur mal schnell die Vocals entfernen, und fertig ist das Instrumental.  

In diesem Workflow werden nur die Drums im markierten Abschnitt herausgetrennt. 

Auf einige Detailverbesserungen sei hier außerdem noch hingewiesen: So beherrscht Wavetable nun 16 Stimmen, während ihr Tags direkt im Quick-Tags-Bereich erzeugt und das Bearbeiten von MIDI-Noten im Editor verbessert wurde. Es mag unwichtig klingen, aber ein manchmal doch hakeliger Workflow läuft dadurch deutlich flüssiger. 

Der Bereich am Anfang und Ende jeder MIDI-Note, mit dem ihr die Länge per Maus verändert, wurde vergrößert. Vor allem besonders kurze Noten lassen sich so viel einfacher bearbeiten. 

Push und Move

Da ich weder Push noch Move im Studio stehen habe, kann ich die Verbesserungen, die Version 12.3 und 12.4 für Abletons Hardware mit sich bringen, nicht bewerten. Allein der Fakt, dass Stem-Separation auch im Push 3 Standalone möglich ist und man seit 12.3 an Push 3 auch Audio-Interfaces (class compliant) anschließen kann, zeigt, wie ernst es den Berlinern ist, ihre Hardware endlich weiterzuentwickeln. 

Link Audio mit Push, Move, Note und Live; Quelle: Ableton

Dazu sind Move und Push 3 jetzt auch Link-Audio-fähig – Push 3 hat außerdem MIDI-Mapping gelernt. Ihr könnt jetzt an die Standalone-Version also auch einen zweiten MIDI-Controller anschließen und damit Parameter von Instrumenten und Effekten fernsteuern. 

Auch die Firmware von Move bringt in der Version 2.0 tolle Verbesserungen mit. So gibt es in Abletons Mini-Groovebox jetzt auch Audiospuren, und das Audiomaterial lässt sich per Time-Stretching dem Songtempo anpassen. 

FAZIT – Live 12.4

Schaut man in Richtung Reason, Native Instruments oder Studio One, bekommt man den Eindruck, die Musiksoftware durchlebe unruhige Zeiten – nicht aber so bei Ableton. Unbeirrt hauen die Berliner Update um Update raus. Die Updates 12.3 und 12.4 enthielten allein so viele Neuerungen, dass andere DAWs fast eine komplett neue Versionsnummer dafür bräuchten. 

Alles wirkt durchdacht, man erweitert Effekte und Features da, wo es fehlt, baut aus und überrascht – wie zum Beispiel bei Ableton Link Audio. Das darf gerne so weitergehen. 

Die großen Fragezeichen ARA und Delay Compensation bleiben indes bestehen. Mit jedem Update, in dem sie fehlen, stehen nicht gerade wenige User vor der Frage: Bleiben und hoffen oder doch lieber wechseln? Bitwig bietet beispielsweise kostengünstige Crossgrades! Wer die DAW aber schon lange nutzt, weiß auch, wie viel Zeit sich Ableton oft lässt. Das aktuell hohe Update-Tempo deutet aber darauf hin, dass sich dies vielleicht gerade ändert. 

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Ableton Live 12.4 Beta: Features

  • Link Audio für  Echtzeit-Audiostreaming
  • Verbesserte Effekte, Delay, Auto Shift und Erosion sind nun auch auf Move und Note verfügbar.
  • Stem Separation Optimierungen 
  • Learn View mit Video und Text 
  • MIDI Mapping:  Verwaltung von Controller-Skripten direkt am Gerät.
  • Push Standalone:  kann über Link Audio Audiosignale empfangen und teilen
  • Max for Live-Geräte können nun mehr Parameter direkt in der Geräte-Ansicht von Push anzeigen.
  • Move & Note:Audiospuren und die Möglichkeit, Samples direkt aus der Library zu laden 
  • Move: Aufnahmen via Mikrofon, Line-In oder USB-C 
  • Move kann nun MIDI-Spuren in Audio umwandeln und der Audioeingang kann Effekte Live berechnen 
  • Move: Warping-Algorithmus erlaubt die Anpassung von Tempo oder Tonhöhe unabhängig voneinander

Die Ableton Live 12.4 Beta Website

Der Ableton Live 12.2 Test

Ableton Move Test – Was kann die neue Standalone Groovebox?

Ableton Push 3 Test-Preview

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