Zwei Geräte, ein Ziel: Dynamik günstig in den Griff bekommen. Mit “Composer Pro XL” und “Multicom Pro XL” hat Behringer gleich zwei attraktive 19-Zoll-Units im Angebot, die auf ersten Blick erstaunlich nahe wirken: Gate, Kompressor, Limiter. Alles dabei also bei MDX 2600 bzw. MDX 4600 ? Finden wir es im Test heraus!

Als Dual-Mono-Kompressor verspricht der Behringer MDX2600 Composer Pro-XL klar mehr Kontrolle über das Signal, während der MDX4600 Multicom Pro-XL mit vier Kanälen auf maximale Parallelverarbeitung setzt. Trotz identischem Preisniveau unterscheiden sich die Konzepte fundamental!
Der Behringer MDX2600 erlaubt durch regelbare Attack/Release, Sidechain-Insert sowie integrierten De-Esser gezieltes Sound-Design, während der MDX4600 viele Parameter automatisiert und dafür vier unabhängige Dynamiksektionen bereitstellt. Wo die Unterschiede in der Praxis liegen – und wann Sidechain und De-Esser den Unterschied machen – klären wir im Test!
- 4 Kanäle, schneller Workflow (Multicom Pro XL)
- ideal für Live-Anwendungen, gutes Preis/Kanal-Verhältnis (Multicom Pro XL)
- Sidechain-Insert (Composer Pro XL)
- manuelle Kontrolle über Attack/Release (Composer Pro XL)
- De-Esser nicht sehr präzise (Composer Pro XL)
- leichte Klangfärbung (Composer Pro XL)
- kein Sidechain-Insert (Multicom Pro XL)
- keine manuelle Zeitsteuerung (Multicom Pro XL)
- weniger Kontrolle insgesamt (Multicom Pro XL)
DETAILS
Was ist das Grundkonzept, was sind Gemeinsamkeiten ?!
Beide Behringer Pro-XL-V2-Modelle der MDX-Serie sind analoge Dynamik-Prozessoren “Made in China” und verfolgen grundlegend den gleichen Ansatz: Peaks abfangen, Dynamik kontrollieren sowie Signal solide stabilisieren.
Beide Prozessoren beginnen mit einer Expander/Gate-Sektion. Diese bietet regelbaren Threshold sowie wählbare kurze oder lange Release. Signale unterhalb des Schwellwerts können so effektiv abgesenkt oder vollständig ausgeblendet bzw. “ge-gated” werden.
Der anschließende Kompressor samt Peak-Limiter basiert bei beiden Geräten auf derselben Grundarchitektur. Ratio, Threshold und Output lassen sich über die leicht gerasterte Potis gut einstellen. Die Bedienung fällt beim Composer durch die größeren Abstände zwischen den Reglern aber angenehmer aus, während es beim Multicom schon deutlich enger zugeht.

Der Composer bietet außerdem zusätzlich zur Automatik die manuell einstellbaren Attack- und Release-Zeiten. Beim Multicom arbeitet die Zeitsteuerung hingegen ausschließlich automatisch. Das Metering ist bei beiden Geräten übersichtlich umgesetzt. Ergänzt wird das Ganze durch variables Knee-Verhalten, das Behringer als „Interact Knee“ bezeichnet und so grob zwischen Hard- und Soft-Knee vermittelt.
Unterschiede in Kanalanzahl & Architektur
Der größte Unterschied liegt in der Kanalanzahl: Der Composer Pro XL bietet 2 Kanäle, der Multicom Pro XL immerhin 4 Kanäle – und das in beiden Fällen auf gerade einmal einer HE. Dank internen, internationalem Netzteil lassen sich die Geräte an jedem Stromnetz mit IEC-Kabeln betreiben. Besonders schwer oder tief sind die Kisten ebenfalls nicht.

Composer only: De-Esser & “Tube-Saturation”
Nur der Behringer Composer Pro XL verfügt über einen via Taster zuschaltbaren Tube-Effekt sowie einen regulierbaren De-Esser. Dieser funktioniert für Sprache und Vocal-Anwendungen zuverlässig, arbeitet aber auch recht breitbandig und nicht allzu präzise.

Eine Female/Male-Umschaltung steht zur Verfügung, was den Detektor von 8,6 auf 7,5 kHz reduziert. Ein tieferes Filter für Hats und Cymbals wäre wünschenswerter gewesen. Der Multicom Pro XL bietet indes überhaupt keinen De-Esser – und kann in dieser Disziplin auch nicht sonderlich viel falsch machen.
Sidechain my Heart
Beide Geräte verfügen über ein Sidechain-Filter, das tieffrequente Anteile aus dem Detektorsignal entfernt. Dadurch reagiert der Kompressor weniger stark auf Bassanteile, pumpt entsprechend weniger und betont diesen Bereich auch. Das ist sinnvoll und in der Praxis sehr hilfreich.

Unglücklich ist nur die Umsetzung: Statt klar das Features als Sidechain-Filter auszuweisen, läuft die Funktion auf der Front unter „LO CONTOUR“. Konkrete Angaben zu Trennfrequenz fehlen selbst im Manual, von verschiedenen Low-Cuts ganz zu schweigen.
Der Composer Pro XL geht einen Schritt weiter und bietet einen externen Sidechain-Ein- und Ausgang (Klinke). Damit wären theoretisch Anwendungen wie Ducking, frequenzabhängige Kompression oder externes De-Essing möglich – entsprechendes Outboard jedoch vorausgesetzt. Das externe Sidechain-Signal lässt sich zudem sogar abhören.
In der Praxis wirkt diese Kombination jedoch wenig konsequent: Das interne Filter ist sinnvoll, aber rudimentär, während der externe Sidechain Aufwand voraussetzt, der in dieser Geräte- und Preisklasse unrealistisch wirkt. Mehr praxisnahe Optionen wie wählbare Trennfrequenzen wären vermutlich die sinnvollere Ergänzung gewesen.
Immerhin bieten beide Behringer Geräte symmetrische Ein- und Ausgänge über XLR und Klinke pro Kanal, sogar “unprofesionelle” Pegel-Umschalter für +4dBu/-10dBV sind vorgesehen. Die Anschlussausstattung ist somit soweit solide, verzichtet nur leider gänzlich auf verriegelbare Buchsen.























