Baby Audio gehört zu den Plugin-Herstellern, die man sofort wiedererkennt: klare Ideen, charaktervoller Sound und ein praxisfreundliche Interfaces, bei denen man nicht zuerst das Handbuch studieren muss.

Hinter der 2019 gegründeten Firma steckt Caspar Bock Soerensen, der seine Leidenschaft für Musik und Gear mit seiner Erfahrung aus der digitalen Produktentwicklung verbunden hat. Wir haben uns für euch mit Soerensen unterhalten.
Was ist die Idee hinter Baby Audio – und wer steckt dahinter?
Das Unternehmen habe ich damals (2019) in meiner Wohnung in New York gegründet. Von dort aus habe ich mir ein Team aus Freelancern zusammengestellt. Die Idee entstand also in eben dieser Wohnung – als ich mein Hardware-Heimstudio nach und nach auf ein Laptop-basiertes Studio umgestellt habe. Während ich nach Plugin-Ersatz für einige meiner Lieblingsgeräte suchte, habe ich mich zunehmend für Plugins interessiert – und dafür, was ein wirklich gutes Plugin ausmacht.

Beruflich habe ich zu dieser Zeit bereits mit der Entwicklung digitaler Produkte für Unternehmenskunden beschäftigt. Zusammen mit den richtigen Partnern und Entwicklern war der Schritt zur Entwicklung von Audio-Plugins also gar nicht mehr so groß. Ich nannte das Unternehmen „Baby Audio“, weil es anfangs eher ein kleines Baby- bzw. Hobbyprojekt war. Während der Corona-Pandemie zogen wir nach Dänemark, wo ich ursprünglich herkomme, und 2023 schließlich nach Kalifornien, wo das Unternehmen heute seinen Sitz hat.
Baby Audio steht für moderne, charaktervolle Audiowerkzeuge. Wie würdest die Marke jemandem beschreiben, der euch noch nicht kennt?
Unsere Philosophie hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Als ich anfing, war meine Idee, sehr einfache Plugins zu entwickeln, die zur Klangfärbung dienen sollten – fast wie Gitarrenpedale.
Mit dem Wachstum von Baby Audio konnten wir einige großartige Entwickler für uns gewinnen, die sehr eigenwillige und individuelle Ideen mitbrachten – teilweise waren das auch Forschungsprojekte, an denen sie im Rahmen ihrer Promotion gearbeitet hatten.

Zusammen mit diesen Entwicklern haben wir unsere Strategie weiterentwickelt. Heute konzentrieren wir uns vor allem darauf, neue Ideen in der Musiktechnologie zu erforschen, die es so bisher noch nicht gibt. Durch diesen Ansatz sind unsere Plugins komplexer und tiefgründiger geworden. Gleichzeitig bieten sie Produzenten die Möglichkeit, anders zu klingen und ihre klanglichen Grenzen auszuloten.
Viele eurer Plugins sind vom analogen Zeitalter inspiriert. Was fasziniert dich am Vintage-Sound und wo kommt für dich die kreative Freiheit moderner Digitaltechnik ins Spiel?
Ja, unsere erste Produktgeneration von 2019 bis 2022 war stark von dieser Idee geprägt. Die ehrliche – und auch etwas langweilige – Antwort ist, dass ich analoges Equipment einfach liebe und über viele Jahre gesammelt habe. Daher lag es nahe, Projekte in diesem Bereich zu entwickeln. Seit 2022 und mit der zweiten Produktgeneration sind wir meiner Meinung nach aber neue Wege gegangen.
Viele Produzenten lieben vor allem Transit. Wie kam es zu diesem Plugin und was können wir künftig in dieser Richtung erwarten?
Transit entstand zusammen mit Andrew Huang. Wie es der Zufall so wollte, hat er sich genau in der Woche bei uns gemeldet, in der ich ebenfalls geplant hatte, ihn bezüglich einer Plugin-Kooperation zu kontaktieren.
Wir waren nicht nur beim Timing auf einer Wellenlänge – auch kreativ hatten wir sehr ähnliche Vorstellungen. Die Idee für das Plugin nannten wir zunächst „Transformer“. Wir wollten uns der Herausforderung stellen, in der Musikproduktion interessantere Übergänge zwischen verschiedenen Song-Parts zu gestalten.
Andrew ist außergewöhnlich intelligent und kreativ und teilt die Energie unseres Teams – er hat eine unermüdliche Leidenschaft dafür, das Produkt immer weiter zu verbessern. Die Zusammenarbeit war außergewöhnlich und von einem ständigen Strom neuer Ideen geprägt. Das ist auch einer der Gründe, warum V2 so schnell erschienen ist: Es gab einfach so viele neue Dinge, die wir umsetzen wollten.

Momentan arbeiten wir an V3 – sie wird Transit noch einmal auf ein ganz neues Level bringen. Während sich V1 auf Übergänge und V2 allgemein auf „Motion FX“ konzentrierte, soll V3 einen ähnlich großen Sprung machen.
Gibt es ein Baby-Audio-Produkt, zu dem du eine ganz persönliche Verbindung hast?
Mein persönlicher Favorit ist BA-1. Ich bin schon seit meiner Teenagerzeit ein großer Synth-Nerd und Sammler. Einen eigenen Synthesizer von Baby Audio herauszubringen, war deshalb ein Meilenstein für mich.
Ich liebe, wie er klingt und wie einfach er sich programmieren lässt. Er vereint für mich sämtliche guten Eigenschaften von Hardware.
Was den Umsatz betrifft, ist er nicht unser erfolgreichstes Produkt – und man könnte argumentieren, dass er auch nicht unser leistungsfähigstes ist. Aber für mich war seine Veröffentlichung dennoch sehr bedeutend.

Welche drei Baby-Audio-Plugins sollte jeder neben Transit ausprobieren – und warum?
SubCulture, unser neuestes Produkt, ist ein adaptives Bass-Enhancement-Tool, das Subharmonische erzeugt, die auf den Bass abgestimmt sind, indem sie der Tonhöhe folgen. Es ist ausgesprochen leistungsfähig.
Atoms ist ein Synthesizer, der auf physikalischer Modellierung basiert. Er klingt außergewöhnlich, facettenreich und organisch.

Grainferno ist hingegen ein großartiger Spielplatz, mit dem man praktisch jedes Sample in nahezu jeden gewünschten Sound verwandeln kann.
Welche Chancen siehst du für KI in Plugins – und wo sollte KI deiner Meinung nach aus dem kreativen Prozess herausgehalten werden?
Wir haben KI bereits bei der Entwicklung von TAIP, eines unserer frühen Produkte aus dem Jahr 2021, eingesetzt. Damals war der Begriff noch nicht so negativ besetzt und die Claude-/ChatGPT-Ära hatte noch nicht begonnen. Wir haben damals einen Machine-Learning-Prozess entwickelt, mit dem wir den Klang von Tape emulieren konnten – und das hat gut funktioniert.
Ich denke, dass KI an sich viele sinnvolle Einsatzmöglichkeiten dieser Art bietet, wenn sie als unterstützendes Werkzeug der menschlichen Kreativität dient – und nicht als etwas, an das man seine Kreativität blind auslagert.
In den vergangenen Jahren bin ich gegenüber KI zunehmend skeptisch geworden, weil sie bestimmte Prozesse tendenziell vereinfacht oder banalisiert und häufig als Ersatz für Kreativität eingesetzt wird, statt sie zu ermöglichen.
Als Unternehmen versuchen wir, bewusst die entgegengesetzte Position einzunehmen und Werkzeuge zu entwickeln, die „manuell“ funktionieren und in den richtigen Händen außergewöhnliche Ergebnisse zulassen. Das verstehen wir als Gegenentwurf zum „automatischen“ Versprechen der KI.
Welche aktuellen Trends in der Musikproduktion begeistern dich wirklich – und welche hältst du eher für Marketing-Hype?
Ein interessanter Trend ist die Reaktion auf KI-generierte Musik. Produzenten könnten heute gezielter darauf achten, ihren Sound menschlicher wirken zu lassen.
Vor fünf Jahren hätte ein Pop-Produzent oder -Mixer wahrscheinlich noch versucht, möglichst zeitgemäß zu klingen. Mit einem einzelnen Prompt kann heute praktisch jeder einen solchen Sound erzeugen. Umso wichtiger wird es, sich vom aktuellen Sound abzuheben und etwas Einzigartiges und Authentisches zu schaffen, das wirklich vom jeweiligen Künstler oder Produzenten stammt.
Das führt zu mehr Experimentierfreude und Neugier – und ist meiner Meinung nach tatsächlich etwas Wunderbares. Gleichzeitig macht es leistungsfähige Plugins wertvoller denn je, was natürlich auch für die Unternehmen, die sie entwickeln, eine gute Nachricht ist. Insgesamt bin ich deshalb optimistisch.
Wie entscheidet ihr, welches Produkt als nächstes entwickelt wird? Entsteht eine Idee normalerweise aus einer technischen Innovation, einem bestimmten Sound oder einem speziellen Bedürfnis heraus?
Sehr häufig kommt die Idee aus unserem Team oder unserem Entwicklernetzwerk. Danach folgt ein gemeinsamer Prozess, während dem aus einer technologischen Idee ein konkretes Produktkonzept wird.
Wir achten sehr darauf, mit Entwicklern zu arbeiten, die zu den Besten der Branche gehören und sich stark für Forschung und Entwicklung interessieren. Einige von ihnen haben beispielsweise wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht, aus denen wir dann gemeinsam konkrete Produkte entwickeln. Viele unserer besten Ideen und Produkte sind auf diese Weise entstanden. In anderen Fällen stammt die Idee von mir, die ich anschließend ins Team eingebracht habe.

Baby Audio Grainferno ist ein Plugin für den granularen Spaß: Beliebige Audio Files importieren, ein wenig experimentieren, mit den internen Effekten garnieren und auf dem Keyboard spielen – einfach, spannend und preiswert!

Bei dem Plug-in Tekno von Baby Audio handelt es sich um einen synthetischen Drum-Synthesizer. Das Instrument verzichtet auf Samples und orientiert sich an klassischen Drum-Machines, die verbessert wurden.

Ein Multieffekt-Plugin für Transitions und Motions für den Mix: Baby Audio Transit 2 ist smart, preiswert und quasi ein Muss für Producer, die effektvolle Moves im Song brauchen. Eine spannende Preset-Box für Producer!

Ein neues Vocal-Design-Konzept von Baby Audio: Humanoid kombiniert einen Hard-Tune-Effekt mit einer Wavetable-Engine. On top gibt’s Filter und Effekte, und fertig ist das singende Plugin für elektronische Phrasen à la Kraftwerk oder Daft Punk!? Praktisch und bezahlbar ist es schon mal.

Neben dem Flaggschiff CS-80 brachte Yamaha auch winzige Synthesizer hervor. Einer davon ist der CS01 aus dem Jahr 1981. Interpretiert von Baby Audio macht dieser Vintage-Synth heute in der DAW viel Spaß, was an der wirklich einfachen Bedienung bei solidem Sound liegt.
