„Michael“: Ist der Jackson-Film mehr als nur ein Biopic?

Berlin, roter Teppich, gespannte Erwartungen: Kaum ein Musikfilm der letzten Jahre wurde im Vorfeld so intensiv diskutiert wie „Michael“. Das Biopic über Michael Jackson möchte nicht weniger, als das Leben eines der größten Popstars der Geschichte auf die Leinwand bringen.

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Zwischen musikalischem Genie, Ruhm und persönlichen Dämonen stellt sich bei “Michael” die
Frage, ob ein Film all das überhaupt einfangen kann. Wir haben mit Helena Veiga gesprochen, die bei der Premiere in Berlin vor Ort war und den Film bereits gesehen hat. Im Interview spricht sie über erste Eindrücke, emotionale Momente und darüber, ob „Michael“ mehr ist als nur ein weiterer Versuch, eine Legende zu erklären.

Du warst bei der Premiere in Berlin. Wie hast du die Stimmung erlebt? Eher totale Euphorie oder lag auch eine gewisse Skepsis in der Luft?

Die Stimmung bei der Premiere in Berlin war wirklich super schön. Es hat sich eher wie eine familiäre Atmosphäre angefühlt als wie ein klassisches Event. Alle waren total freundlich und offen, man hatte richtig das Gefühl, dass jeder Spaß hat. Besonders schön war auch, dass viele bekannte Gesichter und Musikkollegen da waren, die ich dort getroffen habe. Man konnte ganz unkompliziert ins Gespräch kommen und neue Kontakte knüpfen – insgesamt einfach eine sehr warme und positive Energie, ohne spürbare Skepsis.

Viele Musik-Biopics fühlen sich ja irgendwie ähnlich an. Hattest du das Gefühl, dass „Michael“ da heraussticht?

Ja, absolut. „Michael“ hebt sich für mich deutlich von vielen anderen Musik-Biopics ab. Es ist kein klassischer Film, der nur Stationen einer Karriere zeigt, sondern wirkt viel emotionaler und fast schon magisch in seiner Erzählweise. Man bekommt eher ein Gefühl für die Person, ihre Energie und die Welt dahinter, was ihn besonders herausstechen lässt.
Und Jaafar Jackson hat einen Hammer Job gemacht – teilweise hatte ich wirklich das Gefühl, als würde der echte Michael vor mir stehen. Seine Präsenz, die Bewegungen und die Energie haben dem Film eine besondere Authentizität gegeben.

Wie gut fängt der Film für dich die musikalische Größe von Michael Jackson ein? Erklärt der Film, warum er so einzigartig war?

Sehr sogar. Der Film zeigt nicht nur seine Karriere, sondern geht auch ins Detail seines musikalischen „Gehirns“ und macht dadurch verständlich, warum er so anders war. Man bekommt ein Gefühl dafür, warum er so einzigartig war und sich so deutlich von allen anderen abhebt – genau das macht ihn so besonders und erklärt seine musikalische Größe.

Gab es einen Moment oder eine Szene, die dir besonders hängen geblieben ist?

Es gab wirklich sehr, sehr viele Momente, die besonders waren – ich lasse euch da am besten einfach selbst überraschen. Meine Lieblingsszene war aber die letzte Tour der Jackson 5, in der er ankündigt, dass er Solo gehen wird. Dieser Moment hatte so viel Emotion und Bedeutung, weil man richtig gespürt hat, dass sich dort alles verändert und ein neues Kapitel beginnt.

Hattest du das Gefühl, der Film bezieht klar Stellung oder versucht er eher, alles offen zu lassen?

Der Film wirkt weniger wie eine klare Stellungnahme, sondern eher wie ein gezielter Blick auf bestimmte Schwerpunkte. Besonders im Fokus stehen Michaels Beziehung zu seinem Vater und sein musikalischer Weg – von den Jackson 5 über die „Thriller“-Zeit bis hin zu den Anfängen der Bad Tour. Dadurch entsteht eher ein intimes Porträt seiner prägenden Phasen, ohne alles komplett einzuordnen oder zu bewerten.

Hat dich der Film emotional eher mitgenommen oder eher zum Nachdenken gebracht?

Beides. Ich war während des Films eigentlich durchgehend sehr emotional und habe viel geweint. Michael hat mich als heutige Musikerin extrem geprägt – sowohl seine musikalische Qualität als auch seine Denkweise und Arbeitsweise.
Er war einer der ersten Künstler, die mir mein Vater, der selbst Musiker ist, gezeigt hat, als ich etwa drei Jahre alt war. Durch den Film sind viele Kindheitserinnerungen wieder hochgekommen.
Gleichzeitig hat er mich aber auch sehr zum Nachdenken gebracht – und mich unglaublich motiviert und inspiriert. Er hat mir nochmal gezeigt, dass da noch so viel mehr möglich ist und ich noch lange nicht am Limit bin.

Wenn du den Film einordnen müsstest: Für wen ist er gemacht?

Der Film ist für jeden gemacht. Er zeigt sehr klar, wer Michael Jackson war und was den King of Pop ausmacht, und vermittelt nochmal sehr deutlich seine Größe und seinen Einfluss. Egal ob Fan, Kritiker oder jemand, der ohne ihn aufgewachsen ist – der Film öffnet für alle einen Zugang zu seiner Welt.

Welche Rolle spielt die Musik im Film? Fühlt es sich eher wie ein Konzerterlebnis an oder wie klassisches Kino?

Sehr schöne Frage – das war tatsächlich auch das Erste, was mir im Kino durch den Kopf ging. Ich hatte oft das Gefühl, als würde ich ein Konzert des King of Pop erleben, nicht nur einen klassischen Film sehen.
Es war sehr lebendig, und man hat richtig gemerkt, wie die Musik den Raum füllt. Viele haben mitgesungen und mitgefiebert – es war eher ein gemeinsames Erlebnis als nur Kino.

Nimmt man als Artist etwas Neues aus dem Film mit?

Auf jeden Fall. Der King of Pop ist extrem inspirierend, und der Film hat mir das nochmal auf eine neue Art gezeigt. Als Artist nimmt man da definitiv etwas mit – vor allem, wie viel Disziplin, Hingabe und Perfektionismus hinter seiner Arbeit steckt.
Als junge Künstlerin, die gerade am Anfang ihrer Karriere steht, hat mich der Film nochmal darin bestärkt, dass ich noch viel mehr erreichen kann als das, was ich bis jetzt geschafft habe.
Man versteht besser, wie bewusst er an Musik, Performance und Details herangegangen ist. Gleichzeitig zeigt es auch sehr klar: Talent ist wichtig, aber genauso viel harte Arbeit gehört dazu. Genau diese Kombination macht den Unterschied – und das hat mich wirklich inspiriert und motiviert.

Am Ende bleibt „Michael“ genau das, was ein gutes Biopic sein sollte: kein endgültiges Urteil, kein Frage-Antwort-Spiel. Er lässt Platz für Emotion, für Erinnerung und für eine neue Perspektive auf einen Künstler, der Generationen geprägt hat. Ob er dem komplexen Erbe von Michael Jackson vollständig gerecht wird, bleibt Ansichtssache. Sicher ist aber: „Michael“ schafft es, die Faszination für den King of Pop neu zu entfachen und genau darin liegt vielleicht seine größte Stärke.

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