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Neumann KH 310 II Test – Wie viel besser ist die neue Version?

Inzwischen ist der Berliner Audiospezialist Neumann nicht mehr nur für seine legendären Mikrofone, sondern auch Studiomonitore bekannt.Als das Vorgängermodell KH 310 A ca. dreizehn Jahre zuvor als zweiter Neumann Studiomonitor in den Handel kam, war noch nicht abzusehen, wie erfolgreich die Lautsprechersparte von Neumann künftig sein würde. Seitdem hat sich einiges getan und bei Neumann wie auch anderen Herstellern haben DSP-Features zur Klangoptimierung Einzug gehalten. So auch beim ursprünglich in reiner Analogtechnik gebauten 310er Monitor, der übrigens noch auf dem Klein und Hummel O300 basiert. Wie sich die überarbeitete Version im Studiobetrieb schlägt, lest ihr in unserem Neumann KH 310 II Test!

Unser Fazit:
5 / 5
Pro
  • vollwertige Abhöreigenschaften im kompakten Gehäuse
  • natürliche Frequenzwiedergabe
  • hohe Impuls- und Phasentreue
  • DSP-Funktionalität und MA 1-Kompatibilität
  • analoge und digitale Inputs
  • seriöser Studio-Look und gute Verarbeitung
  • vielfältige Montageoptionen
  • problemlose Integration und Kombination mit anderen Neumann Monitoren
Contra

Quick Facts zum Neumann KH 310 II

  • Wie unterscheidet sich der KH 310 II vom Vorgänger? Technisch fast komplett überarbeitet, aber optisch gleich. Wichtigstes Upgrade: DSP-Kompatibilität mit Neumann MA 1 für Raumkorrektur.
  • Warum geschlossenes Gehäuse? Für präzisere Impulstreue und geringere Gruppenlaufzeiten. Tiefbass dennoch ordentlich.
  • Welche Raumkorrektur-Optionen gibt es? Manuell: 3-Band-EQ. Optimal: Neumann MA 1 (10-Band-DSP-EQ) für präzise Anpassung.

Konzept des Neumann KH 310 II und Änderungen zum Vorgänger

Der Neumann KH 310 II ist ein aktiver 3-Wege-Nahfeldmonitor, der stückweise angeboten wird. Wichtig: Durch die Treiberanordnung und deren horizontaler Positionierung gibt es eine „Left“- und „Right“-Version des Monitors wie auch beim Vorgängermodell! Im Übrigen unterscheidet sich das neue Modell rein äußerlich (fast) überhaupt nicht vom Vorgänger, auch die Maße sind identisch, was ein potenzielles Update für Besitzer des KH 310 A erleichtert, da keine weiteren Überlegungen zum Aufstellungsort notwendig sind.

Beide Seitenvarianten des Neumann KH 310 II

Laut Neumann besitzt der KH 310 II allerdings kaum ein Bauteil, das nicht erneuert oder überarbeitet wurde – mit Ausnahme des laut Hersteller bereits perfekten Mitteltöners. Wie es sich für eine MK2-Version gehört, finden sich auf dem Datenblatt die üblichen Verbesserungen wie lauter, linearer und reiner (weniger THD), das entscheidende Upgrade besteht nach meiner Ansicht allerdings in der Kompatibilität zu Neumanns Einmesssystem MA1.

Geblieben ist das geschlossene Gehäusekonzept. Während die Mehrzahl der Studiomonitore ein Bassreflexgehäuse besitzt, setzt Neumann bei seinem 3-Wege-Nahfeldmonitor auf die geschlossene Variante. Potenzielle Vorteile sind unter anderem eine präzisere Wiedergabe mit hoher Impulstreue und geringen Gruppenlaufzeiten sowie kompaktere Gehäusemaße. Ein potenzieller Nachteil gegenüber Bassreflexboxen ist die geringere Effizienz in Bezug auf Lautstärke und Tiefbass. Dass der KH 310 II Monitor aber weder zu leise noch bassarm spielt folgt im Praxisteil.

Bassreflexöffnung? Fehlanzeige!

Ausstattungsmerkmale und technische Daten

Der Neumann Monitor verfügt über drei Class-D-angetriebene Lautsprecher-Chassis in 8 1/4, 3 und 1 Zoll mit einer jeweiligen Ausgangsleistung (bei THD+N / deaktivierter Limiter: 0,1 %) von 185, 125 und 125 W. Der Freifeld-Frequenzgang im schmalen Toleranzschlauch von ±3 dB liegt bei 33 bis 21.000 Hz, wodurch sich der KH 310 II bei den meisten Anwendungen auch ohne Subwoofer zum Monitoring von basslastigem Material eignet. Im Bereich zwischen 100 Hz und 10 kHz gibt der Hersteller eine Freifeld-Frequenzgang-Welligkeit von lediglich ±0,6 dB an, was eine natürliche und weitgehend lineare Wiedergabe verspricht.

Je nach tatsächlichem Aufstellungsort und Positionierung ist dies ein eher theoretischer Wert – in der Regel sind Korrekturmaßnahmen vorteilhaft bis notwendig. Hierzu befinden sich auf der Rückseite der Box die gewohnten Acoustic Controls in Form eines dreibandigen Raum-EQs für Bässe, untere Mitten und Höhen, mit dem sich Anpassungen in 1,5- bzw. 1-dB-Schritten für das Höhenband rudimentär vornehmen lassen. Wer knapp 3000 Euro für einen Monitor ausgibt, wird aber vermutlich nicht am MA1-Einmesssystem sparen, um das optimale Wiedergabeergebnis aus seinen Neumännern zu holen.

Rückseitige Bedienelemente und Anschlüsse


I/O-seitig verfügt der Neumann KH 310 II ganz klassisch über einen analogen XLR-Input und einen digitalen AES3id I/O in Form von BNC Anschlüssen. Per Switch (Input Select) lässt sich umschalten, welcher Eingang aktiv ist. Weitere Features der Monitorrückseite dienen der Pegelanpassung, Umschalten des Control Mode zwischen manueller und Software-Steuerung (MA1) und der Aktivierung des Groundlift gegen potenzielle Brummschleifen. Weitere technische Daten
und Features findet ihr am Ende dieses Reviews.

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Neumann KH 310 II Test: Verarbeitung

Äußerlich bietet der Tschechischen Republik hergestellte Studiomonitor die gewohnt hohe Qualität, die man von Neumann Produkten kennt. Ob die Elektronik innerhalb oder kurz nach Ablauf der Garantiezeit den Dienst quittiert, wie es mir als eigentlich zufriedener Neumann User wiederholt passierte, lässt sich nach einem mehrtägigen Test nicht vorhersagen. Fakt ist: Das massiv und robust wirkende Gehäuse aus Polycarbonat-Verbundwerkstoff, Holz und Rückseite aus Aluminium ist tadellos verarbeitet und auch alle Bedienelemente und Anschlüsse sind robust und profigerecht verbaut.

Hochwertig verarbeitete Hardware

Praxis: Inbetriebnahme und Testumgebung des Neumann KH 310 II

Der Praxistest eines Stereopaars der neuen KH 310er fand in einem ca. 60 qm großen Studioraum der bekannten Home-Studios in Hamburg statt und nicht wie gewohnt in meinem eigenen heimischen etwas kleineren Studioraum. Der Grund hierfür war der gleichzeitige Test und Aufbau des ebenfalls neuen Midfield Monitors Neumann KH 350, der interessanterweise mit den gleichen Verstärkern und Lautsprecher-Chassis bestückt ist (lediglich in einem größeren Bassreflexgehäuse). Einen direkten Vergleich, für den mir mein heimischer Studioraum nicht optimal erschien, wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Der Hör-Check der beiden KH 310 II erfolgte in einem Stereodreieck von 1,55 m Kantenlänge und freistehend im Raum auf Stativen. Laut Hersteller wird übrigens 1,0 bis 2,5 m als ideale Abhördistanz empfohlen. Hiervon abweichende Werte (0,75 – 6,0 m) werden von Neumann als „mögliche Abhördistanz“ deklariert. Weiterhin sei erwähnt, dass herstellerseitig ein umfangreiches Zubehörsortiment für eine Vielzahl an Installationsoptionen angeboten wird.

Testaufbau


Als Zuspieler diente ein per XLR analog verkabeltes Universal Audio Apollo Twin X. Nach einer ersten Hörphase vertrauter Audiobeispiele inklusive Check der zufriedenstellend funktionierenden manuellen Raum EQs erfolgte die Einmessung mit dem optional erhältlichen Einmesssystem Neumann MA 1, das (nicht nur) aus meiner Sicht ein absolutes Must-have für DSP-ausgestattete Abhörsysteme von Neumann ist.

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Praxis-Check: Wie klingt der Neumann KH 310 II?

Schon im ersten Check ohne jegliche Korrekturmaßnahmen überraschen die vergleichsweise kompakten (253 x 383 x 292 mm) 3-Wege-Monitore mit einer nahezu raumfüllenden und bassstarken Wiedergabe. Mit Ausnahme einer Resonanz in den unteren Mitten und einem etwas „boomigen“ Bass – vermutlich der Raumdecke geschuldet – besitzt der Monitor eine weitgehend natürliche Frequenzwiedergabe und hohe Präsenz, Präzision und Direktheit bei der Abbildung von Sprache, Gesang und Instrumenten oberhalb der genannten Frequenzbereiche.

Aus eigener positiver Erfahrung blieb das Neumann Messmikrofon nicht lange in seiner Schachtel. Nach einem ca. 15-minütigen Prozedere erfolgte dann eine gravierende Qualitätssteigerung auf allen Ebenen, die sich mit den drei am Monitor bedienbaren EQ-Bändern erwartungsgemäß nicht realisieren lässt. Wie man an der grafischen Darstellung des Alignments leicht erkennen kann, werden der Bassbereich und die unteren Mitten gründlich aufgeräumt und linearisiert, was eine professionelle Beurteilung des nahezu kompletten Hörbereichs ermöglicht.

Alignment des KH 310 II


Dank der Nachbearbeitungsmöglichkeiten (10 Bänder) mit dem zusätzlichem Software EQ sollten sich jegliche Hörpräferenzen befriedigen lassen. Persönlich senke ich in meinem heimischen Monitorsystem Neumann KH 750 DS + 2 x KH 120 A die Bässe und auch Höhen etwas ab. Mit den KH 310 II Studiomonitoren verhält es sich ähnlich: Die werkseitig angehobene Target Curve unterhalb von ca. 100 Hz ist für meinen Geschmack nicht wirklich notwendig und auch die präsenten Höhen können bei kräftiger Lautstärke etwas anstrengend klingen. Dies ist aber keine Kritik, sondern ein Pluspunkt, weil man es als User selbst in der Hand hat, welches zusätzliche Fine-Tuning man vornimmt.

Vergitterter 1-Zoll-Hochtöner des Neumann KH 310 II


Alle über die Frequenzabstimmung hinausgehenden Wiedergabeparameter entsprechen meinen Erwartungen. Dass ich in einem externen Studio auf den Vorläufern des aktuellen 310er Monitors gearbeitet habe, ist schon ein paar Jahre her. Die trockene Impulswiedergabe wie auch der ausreichend breit angelegte Sweet Spot decken sich mit meinen positiven Erfahrungen vergangener Produktionen. Besonders durch seinen analytischen Charakter im mittleren Frequenzband eignet sich der Neumann KH 310 II hervorragend zur Bearbeitung von Gesang, Sprache sowie eigentlich allen Arbeitsschritten einer Postproduction.


Frontansicht des KH 310 II


Im unmittelbaren Vergleich mit dem mir gleichzeitig zum Test zur Verfügung gestellten Neumann KH 350 fällt Folgendes auf: Der größere, teurere und in Bassreflexbauweise gebaute Midfield-Monitor verfügt über identische Verstärker, Frequenzweichen und Chassis. Entsprechend der konzeptionellen Eignung für größere Arbeitsplätze und Abhördistanzen klingt der KH 350 trotz ähnlicher Signatur noch etwas souveräner und entspannter bei höheren Lautstärken und basslastigem Material. Das ist keine überraschende Erkenntnis, sondern zeigt, dass Neumann nach und nach vorhandene Nischen im Produktsortiment füllt.

Alternativen zum Neumann KH 310 II

Neumann KH 350Genelec 8341
hauseigene Konkurrenz im Bassreflexgehäuse und höherer Preisklasse; ansonsten technisch weitgehend identisch; klingt noch etwas „größer“ und organischer; für Midfield und Nahfeld geeignet3-Wege-Monitor des finnischen Herstellers mit Einmesssystem; Übertragungsbereich (-6 dB): 38 bis 37.000 Hz
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Test der Neumann KH 310 II: Fazit

Der Neumann KH 310 II Studiomonitor ist – vor allem im Zusammenspiel mit dem hauseigenen Einmesssystem MA 1 – ein kompaktes und dennoch vollwertiges Abhör-Tool für Audioprofis, die im Nahfeldbereich Produktionsentscheidungen im (nahezu) Fullrange-Bereich auch ohne Subwoofer treffen wollen. Die insgesamt präzisen Wiedergabeeigenschaften mit exakten Transienten und einer hohen Auflösung des mittleren Frequenzbereichs, prädestinieren den Neumann KH 310 II zudem zum Editing und Tracking. Wer in der Preisklasse bis 3000 Euro einen professionellen 3-Wege-Monitor mit DSP-Unterstützung sucht, sollte den Neumann KH 310 II unbedingt auf dem Radar haben!

Artikelbild
KH 310 II Right
Für 2.979,00€ bei
  • 8,25-Zoll-Basstreiber
  • 3-Zoll-Mitteltöner
  • 1-Zoll-Hochtöner
  • geschlossenes Gehäuse
  • Freifeld-Frequenzgang: 33 – 21000 Hz (±3 dB)
  • Freifeld-Frequenzgang-Welligkeit (100 Hz bis 10 kHz): ±0,6 dB
  • Crossover-Frequenz: 700 / 1700 Hz (24 dB/oct)
  • Class D Verstärkung mit unabhängigen Limitern für Tieftöner und Hochtöner
  • Analog-Eingang: XLR
  • analoge Eingangsimpedanz: >12 kOhm
  • Digital I/O (BNC 75 Ohm): AES3id
  • Digitalwandler: 24 Bit, 32 – 200 kHz
  • Interne Abtastrate: 48 kHz
  • Latenz ADA / DA: 2,6 / 4,7 ms
  • Dynamikumfang ADA: 118 dB
  • Dolby D.A.R.D.T. Max SPL fullrange: 118 dB
  • DSP-Engine (MA 1-kompatibel)
  • 3-Band-Klangregelung per Hardware (Bass, Low-mid, Hi)
  • Ausgangsleistung (THD+N ohne Limiter: 0,1 %): 185 Watt (Basstreiber), 125 Watt (Mitteltöner) 125 Watt (Hochtöner)
  • Ausgangsleistung (THD+N ohne Limiter: 10 %): 300 Watt (Basstreiber), 160 Watt (Mitteltöner) 125 Watt (Hochtöner)
  • Maximalschalldruck/Bass (Halbraum, 3% THD@ 1 m 50 Hz – 100 Hz): 107,8 dB SPL
  • Auto-Standby
  • Leistungsaufnahme: 320 W (max)
  • integriertes Schaltnetzteil 100-240 V (50/60 Hz)
  • Ground Lift
  • Maße (H/B/T): 253 x 383 x 292 mm
  • Gehäusematerial: Polycarbonat-Verbundwerkstoff, Holzzarge, Aluminium
  • Gewicht: 13 kg
  • Montagepunkte an Gehäuserückseite und den Seiten
  • hergestellt in: Tschechische Republik
  • Webseite: neumann.com/
  • Preis (Stück): € 2999,– (Straßenpreis am 21.9.2026)
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