Rhodes Clav Pro Test

Hersteller Rhodes Music ist für sein legendäres Fender Rhodes bekannt. Aber auch moderne Software-Emulationen wie Rhodes Anthology, das verschiedene Modelle des beliebten E-Pianos virtuell zugänglich macht, sind beliebt. Gelegentlich widmet sich das US-Unternehmen anderen Klassikern der Tastenwelt – wie dem Wurlitzer Piano. Mit dem neuen Software-Instrument Rhodes Clav Pro holt Rhodes Music den charakteristischen Sound des Hohner Clavinet D6 in die DAW. 

Rhodes Clav Pro: Test.
Das Hohner Clavinet D6 alias Rhodes Clav Pro ist der Spezialist für drahtige, bissige und funkige Sounds – ein Vintage-E-Piano für ganz bestimme Fälle. 

Das Bonedo-Feature 5 Klänge, die sie nur mit dem Clavinet erzeugen konnten, zeigt eindrucksvoll, was den Sound des in Deutschland entwickelten Vintage-Pianos so unverwechselbar macht. Das Clavinet prägte den Sound von Funk, Disco, Soul und Rock der 70er-Jahre maßgeblich. Stevie Wonders „Superstition“ oder Herbie Hancocks „Chameleon“ verdanken ihren markanten rhythmischen Drive dem perkussiven Biss dieses elektroakustischen Tasteninstruments.

Für diesen Test habe ich das Rhodes Clav Pro in meiner DAW angespielt und mir vor allem eine Frage gestellt: Wie viel echtes Vintage-Feeling steckt wirklich in diesem Keyboard-Plugin?

Unser Fazit:
4 / 5
Pro
  • Überzeugender Grundcharakter
  • Echter Vintage-Sound
  • Simple Bedienung 
  • Integrierte Amps und FX
  • Gute Presets
Contra
  • Nicht universell einsetzbar

Rhodes Clav Pro Highlights

  • Authentische Nachbildung des seltenen Hohner Clavinet D6
  • Klassische Bedienelemente und Effekte direkt auf dem GUI 
  • Über 60 Presets mit klassischen Alavi-Sounds aus Funk, Soul und Rock

DETAILS & PRAXIS

Rhodes Clav Pro basiert auf Multisamples des Hohner Clav D6

Die Software-Engine kenne ich bereits von Rhodes Anthology. Der entscheidende Unterschied steckt im Content: Rhodes Clav Pro rekonstruiert das Hohner Clavinet D6 mit über vier GigaByte an Samples. Als Vorlage diente ein seltenes Transition-Modell aus dem Jahr 1977. Besonders praktisch finde ich das Feature „Timbre-Shift“.

Die Multisamples stammen von einem seltenen Transition-Modell. Mit Timbre Shift lässt sich dessen Klangcharakter im Plugin noch variieren.

Damit lässt sich der Basisklang noch einmal ganz gut variieren – von nostalgisch rau über sauber und frisch gewartet bis hin zu stark gefärbt. Schon der Grundcharakter überzeugt mit einer sehr perkussiven Ansprache und eignet sich damit hervorragend für rhythmisches Spiel – genau das, was ich von einem Clavinet erwarte.

Rhodes Clav Pro: Edit.
Klangformung wie beim Original: Pickup-Schalter, Klangregler sowie Preamp, Comp und Wah gehören zur Grundausstattung des Rhodes Clav Pro.

Die Entwickler von Rhodes Music bleiben der Tradition treu: Auf dem GUI sind die ursprünglichen Bedienelemente originalgetreu umgesetzt. Dazu zählen die Pickup-Auswahl, die Klangregelung und die Mute-Slider. Vor allem die unterschiedlichen Kombinationen der Tonabnehmer sind ein wesentlicher Bestandteil der Clavinet-Sounds.

Rhodes Clav Pro – mehr als eine Kopie

Erfreulicherweise hat Rhodes das emulierte Hohner Clavinet D6 mit einigen Extras aufgetuned. Das Plugin enthält neben Drive und Kompression auch modellierte Verstärker (L5, JC und Duo), einstellbare Cabinet-Resonanzen, modellierte Tasten- und Mechanikgeräusche sowie Velocity und WahWah – der Funk-Groove-Faktor passt!

Rhodes Clav Pro: Effekte.
Eine simple, aber effektive FX-Sektion rundet den Sound des Rhodes Clav Pro ab.

Auch die interne Effektsektion des Rhodes Clav Pro erweist sich als sehr brauchbar: Chorus, Phaser und auch das Delay lassen sich zum Tempo synchronisieren, beim Reverb stehen vier Typen (Spring, Plate, Room, Hall) zur Auswahl – externe FX-Plugins braucht es nicht unbedingt.

Im Grunde bringt das Rhodes Clav Pro alles mit, was man für den klassischen Clavinet-Sound braucht. Das User-Interface macht die Bearbeitung der Presets angenehm unkompliziert – wirklich viel herumschrauben müsst ihr aber ohnehin nicht: Über 60 Presets liefern bereits eine große Bandbreite authentischer Clavinet-Sounds.

Rhodes Clav Pro: klassischer Clavinet-Sound für die DAW

Die mitgelieferten Presets decken die klassische Klangpalette des Clavinet souverän ab. Darunter befinden sich typische Vintage-Funk-Standards mit direkten, trockenen und leicht komprimierten Sounds, die sich hervorragend spielen lassen.

Rhodes Clav Pro: Presets.
Kein tolles Browser-System, aber der Inhalt stimmt: Rhodes Clav Pro liefert viele brauchbare Presets mit Vintage-Charakter.

Gelungen sind auch die Wah- und Drive-Leads mit verzerrten Wah-Wah-Klängen für rockige Solopassagen, die ihr hier, anders als beim originalen Clavinet, sogar mit Pitchbending gestalten könnt. Daneben gibt’s beim Clav Pro aber auch einige experimentellere Patches mit teils überdosiertem Chorus-, Delay- und Reverb-Einsatz für Indie-Pop.

Audio Samples
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Classic Comper Auto WahWah Trip On Me Guitar Stereo Harpsi Noisy Bending Gentle Comp Delay Pops Chorus Muter Brilliant DA Phasing Muter

Unsere zehn Audio-Demos aus der DAW zeigen: Das Rhodes Clav Pro ist ein Spezialist für Vintage-Clavinet-Sounds und liefert überwiegend mix-fertige und gut spielbare Presets.

Alternativen: Physical Modeling und Allround-Lösung

Während das Rhodes Clav Pro ausschließlich auf Sampling basiert, setzen andere Hersteller bei ihren Emulationen zusätzlich auf Physical Modeling. Damit lässt sich das Klangverhalten noch tiefgreifeneder verändern. Konkret sind das die Plugins Arturia Clavinet V und Modartt Pianoteq mit dem kostenpflichtigen Instrument Pack „The Hohner Collection“.

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Als Profi-Lösung für sämtliche Vintage-Keyboards wie Rhodes, Wurlitzer, Hohner Clavinet und weitere Tasteninstrumente rangiert Spectrasonics Keyscape noch immer auf Platz eins. Wer diese beeindruckende Kollektion bereits besitzt, findet darin eigentlich alles, was für die klassischen Vintage-Keyboard-Sounds nötig ist.

FAZIT: Rhodes Clav Pro

Das ist eine rundum gelungene Nachbildung des legendären 1977er Clavinet D6. Dank der Kombination aus extrem detaillierten Multisamples, authentischer Tonabnehmer- und EQ-Schaltung und der Rhodes-Effekt-Suite liefert das Plugin im Handumdrehen mix-fertige, durchsetzungsfähige Sounds.

Für Live-Keyboarder, Funk- und Soul-Produzenten sowie Filmkomponisten, die den unverwechselbaren Biting-Grip des Hohner D6 suchen, ist das Rhodes Clav Pro eine klare Empfehlung. Man sollte allerdings genau wissen, worauf man sich einlässt: Das Clav Pro ist ein kompromissloser Spezialist. Statt eines vollgepackten Allrounders bekommt ihr eine klanglich überzeugende Hommage an das Original, die sich ganz auf den typischen Clavinet-Sound konzentriert.

Unterm Strich überzeugen mich die überzeugenden Vintage-Sounds, das durchdachte Konzept und das absolut stimmige Preis-Leistungs-Verhältnis. Für dieses Gesamtpaket vergebe ich gern vier Sterne.

Features

  • Emulation des Hohner Clavinet D6 auf Multisample-Basis
  • Systemvoraussetzungen: Ab Windows 10, Mac OS 10.11 (M1 Support), Online-Aktivierung, VST2, VST3, AU, AAX.
  • Produktseite: rhodesmusic.com/rhodes-clav-pro-plugin/
  • PREIS: 69 Euro (Straßenpreis vom 18.08.2026), regulär 99 Euro
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