Twisted Electrons ist für seine Desktop-Synthesizer mit echten Vintage-Soundchips von alten Computern und Spielkonsolen bekannt. Mit ihrem ersten Plugin vMEGAfm emulieren die französischen Hersteller nun ihren nicht mehr produzierten MEGAfm – mit der originalen Firmware. Als Software soll er besser in die Musikproduktion passen.

- Originale Firmware
- Einzigartiger FM-Sound
- Relativ einfache Bedienung
- Komfortable DAW-Automation
- Modulationsmatrix
- MPE-Support
- Spartanische Effekte
Vor sechs Jahren kam der erste MEGAfm als 4-Operatoren-Synthesizer auf den Markt. Er basierte auf Chips des Yamaha-YM-2612. Im damaligen Twisted Electrons MEGAfm Test hat uns das Vorbild zu unserem heutigen Testkandidaten trotz charakteristischen Klangs nicht ganz überzeugt. Das lag vor allem an der Hardware: ein fehlendes USB-MIDI, ein schwacher Ausgangspegel und die sehr eng beieinanderliegenden Fader trübten den sonst eher soliden Gesamteindruck.
Bei dieser Software heißt es nun: neues Spiel, neues Glück! Für unseren Kurztest habe ich das Plugin auf meinem Mac und iPad installiert und für euch angespielt – allerdings ohne A/B-Vergleiche mit dem aktuellen Twisted Electrons MEGAfm MKII, der mehr als das Zehnfache kostet.
Twisted Electrons vMEGAfm – ziemlich nahe am Original
Das Plugin basiert auf der originalen MEGAfm-Firmware und modelliert zudem die charakteristische Ausgangsstufe des Synthesizers. Sie verleiht dem Klang eine bewusst schroffe Färbung. Für die Klangerzeugung stehen vier FM-Operatoren bereit, die sich über acht FM-Algorithmen miteinander verknüpfen lassen. Hinzu kommen eine ADSR-Hüllkurve mit Looping für jeden Operator sowie drei separate, vielseitig einsetzbare LFOs. Insgesamt umfasst die Basisausstattung über 40 Parameter.

Der vMEGAfm bietet insgesamt bis zu zwölf Stimmen, die sich sowohl unisono als auch im Wide6 Voicing Mode inklusive MPE-Support spielen lassen. Das GUI orientiert sich am Look der Hardware. Links auf der Menüseite findet ihr im Vergleich zum Original allerdings eine vollständige Modulationsmatrix.

Bedienung – einfacher als bei anderen FM-Synthesizern
Mit vier Operatoren und acht Algorithmen bewegt ihr euch übersichtlicher schnell durch die Parameter-Landschaft – zum Beispiel schneller als beim Yamaha DX7 oder vielen anderen FM-Synthesizern. Mit den Fadern des vMEGAfm behaltet ihr gleich mehrere Operator-Hüllkurven im Blick. Anders als bei der Hardware-Version zeichnet ihr Automationen hier direkt in der DAW auf. Animierte Ghost-Fader machen LFO-Modulationen auch visuell nachvollziehbar. Im Vergleich zu einem analogen Synth ist der vMEGAfm allerdings anspruchsvoller zu programmieren – er steckt voller Überraschungen.

Effekte und Arpeggiator beim vMEGAfm
Als interner Effekt steht ein Plate Reverb mit den beiden Parametern Mix und Size zur Verfügung. Der Arp/Sequenzer arbeitet mit bis zu 16 Schritten und eignet sich nicht nur für simple Arpeggios, sondern auch für klangliche Veränderungen. In der FX-Sektion und beim Sequenzer ist aber noch Luft nach oben – hier schlummern ungenutzte Reserven. Genau hier könnte Twisted Electrons weitere Stärken gegenüber der Hardware-Version ausspielen.

Ein spannendes Detail findet ihr in den Settings. Hier könnt ihr zwischen dem ursprünglichen YM2612-Chip des ersten MEGAfm und dem YM 3438-Chip des vMEGA MKII wechseln.
Der FM-Sound von Twisted Electrons – eigen, roh und nostalgisch
Das Plugin ist mit 100 Factory-Presets und einigen zusätzlichen MPE-Presets ausgestattet. Ihr könnt Klangdaten vom Hardware-Synths importieren und neue Kreationen speichern. Twisted Electrons empfiehlt die beiden Packs Magnitude und Parsec von Limbic Bits.
Die werkseitigen Sounds empfinde ich als eher durchwachsen und mit nervenden Pegelsprüngen zwischen einigen Presets. Am besten gefallen mir Plucks, Keys, Mallets sowie Pads, Texturen und Effektsounds.
Für den Test habe ich insgesamt zwölf Audio-Demos erstellt. Dabei zeigt sich schnell die klangliche Ausrichtung des vMEGAfm: Schmutzige, harte Sounds und digitale Artefakte gehören ebenso zum Repertoire wie fiese und experimentelle Sounds. Wer hingegen glasklare Pianos, schwebende Pads oder die klinisch reinen FM-Sounds eines Yamaha DX/SY erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht.
Der vMEGAfm – eine Alternative?
Das Plugin von Twisted Electrons eignet sich gut, um herauszufinden, ob der verwandte Hardware-Synth MEGAfm MKII interessant für euch ist. Dank des YM3438-Chip klingt dieser etwas sauberer als das ursprüngliche Modell.
So ein Plugin ist schnell installiert, während der Kauf eines Hardware-Synthesizers deutlich aufwendiger ist – insbesondere, wenn das Gerät anschließend doch wieder zurückgeschickt werden muss.
Der vMEGAfm ist ein individueller Klanglieferant für die DAW. Im Feature Die besten FM-Synthesizer – Soft-Synths im Vergleich fiel er vor allem durch seinen überaus günstigen Preis und den rauen experimentellen Vintage-Sound positiv auf.
FAZIT
Für knapp 40 Euro ist vMEGAfm eine lohnende Investition für alle, die unverwechselbare, raue Vintage-Sounds suchen. Besonders für Electronica, Chiptune, Techno oder Ambient bietet der Synth interessante Klangmöglichkeiten. Einige Sounds gewinnen erst durch gute Effekte deutlich an Tiefe und Charakter – wofür hochwertige Plugins definitive sinnvoll sind.
Merci, Twisted Electrons, für dieses gelungene Debüt. Gerade im Hinblick auf den attraktiven Preis gehen für diesen Charakter-Darsteller vier Sterne klar. Bietet gern weitere solcher günstigen charismatischen Hardware-Synthesizer im Plugin-Format an!
Features
- Emulation des Twisted Electrons MEGAfm
- Systemvoraussetzungen: Ab Windows 10, Mac OS X 10.14 (M1 Support), Online-Aktivierung, VST3, AU, Standalone.
- Produktseite: https://www.twisted-electrons.com/products/vmegafm?view=vmegafm-r3
- PREIS: 39,99 Euro (Straßenpreis vom 09.11.2026)























