US-Musiker und White Stripes Gründer Jack White scheut nicht davor, seine politischen Ansichten öffentlich zu vertreten. In den vergangenen Monaten kritisierte er vor allem die Trump-Administration, sowie die anti-immigrantische ICE-Politik. Dennoch lehnt der Musiker es ab, politische Songs zu schreiben, um seine Kritik zu äußern. In einem brandneuen Interview mit The Guardian erklärt Jack White, warum er politische Rede und Kunst anders behandelt.

Auf den Social-Media-Plattformen Instagram und X ist Jack White äußerst ausgesprochen über politische Themen. Hier bezeichnete er US-Präsident Donald Trump als Faschisten, Idioten und unfähigen Staatsführer, besonders in Bezug zu seiner Kriegspolitik. Auch zur militärischen Offensive im Iran schrieb White auf Instagram:
“Findet ihr es nicht toll, ihn zu sehen, wie er [Trump] einem Land den Krieg erklärt, während er eine Trucker-Kappe mit der Aufschrift „USA“ trägt? Seht her: der Anführer des ‚Board of Peace‘. Für die nächste Kriegserklärung, Donny, darf ich vorschlagen, dass du mit den Füßen auf dem Resolute Desk liegst, einen Big Mac isst und einen Samt-Trainingsanzug trägst?
Venezuela, Grönland, Iran, Kuba – was ist schon der Unterschied, oder? Don Jr. und Barron müssen ja nicht kämpfen oder sterben, nur die Kinder anderer Leute. Also … marschiert ein und bombardiert drauflos!”
Was sprich gegen ausdrücklich politische Songs?
In seinem Interview mit The Guardian erklärt Jack White, warum er trotzdem keine ausdrücklichen politischen Themen in seiner Musik verarbeitet. Er möchte zwar auf die Ansichten aufmerksam machen, jedoch nicht als Prediger oder Wortführer. Stattdessen impliziert White seine Kritik, indem er Geschichten erzählt oder Figuren beschreibt. Ähnlich wie Bob Dylan in ‘Blowing in the Wind’ sang, liegt die Antwort oft auf der Hand.
“Nun, als Dylan sagte, ‘The Answer is Blowing in the Wind’, hat er uns nicht gesagt, was die Antwort ist. Ich glaube, viele Leute in den Zeiten der Protestbewegungen waren hin- und hergerissen: Man möchte ein Statement setzen, aber derjenige, der es ausspricht, kann schnell zerrissen und wieder ausgespuckt werden. Die Suche nach Heuchelei wird sehr intensiv, sobald jemand ans Rednerpult tritt und jemand anderen verurteilt.

Wenn es um den Präsidenten geht, weiß ich eine Menge, deshalb fühle ich mich wohl dabei, das direkt zu sagen. Aber wenn ich das in eine künstlerische Form bringen würde, würde ich solche Dinge nicht direkt aussprechen. Ich würde keine Namen nennen. Ich würde stattdessen eine Figur erfinden.“
Wie wird politische Kritik in die Songs verarbeitet?
Wie diese erzählerische Art der Kritik aussehen könnte, zeigt der Song “Archbishop Harold Holmes” von Whites Album No Name. Die Grundlage für den Text waren echte Kettenbriefe von Predigern, die versuchten neue Anhänger zu rekrutieren. Hieraus erschafft White den fiktiven Charakter von Archbishop Harold Holmes, der seine religiöse Position nutzt, um Menschen zu betrügen und selbst zu profitieren.
“God spoke to me, said, “Listen to me, I anoint you with the power that’ll get ’em all moving”
You’re agitated? You prayed and meditated?
You’re concentrated on gettin’ elevated?
By sundown, Monday, you who come will be blessed with the big money blessing
You will be doubted by all the unbelievers, on all of the things I’m addressing
But you must tell seven friends
You must first bring seven friends”
Die Kritik kann man in diesem Fall auf religiöse Autorität, sowie politischen Führern anwenden. Im Kern regt es aber zum Nachdenken an, teilweise zur Interpretation, anstatt eine definierte politische Meinung zu präsentieren.
In dem Interview sprach Jack White außerdem über seine Abneigung gegenüber autobiografischen Texten, die sich beispielsweise oft bei Taylor Swift finden lassen. Musik müsse nicht unbedingt von dem eigenen Leben erzählen. Viel spannender sei es, Figuren zu erschaffen, Rollen zu spielen und Geschichten zu erzählen.


