Fills sind das Salz in der Suppe. Sie sind der Kitt, der so manches Musikstück zusammenhält oder, besser, zusammenfügt. Denn der elementare Sinn von Fills oder Fill-ins ist es, verschiedene Teile eines Songs möglichst musikalisch miteinander zu verbinden, um so elegante Überleitungen zu schaffen und diese natürlich auch nach persönlichem Geschmack auszustaffieren. Wenn das besonders gut gelingt, dann wird ein Drumfill statt zu einer entweder improvisierten oder aber bis ins Detail auskomponierten Aktion zu einem wesentlichen Bestandteil des Songs — manchmal sogar zu dessen Höhepunkt.

Wir haben euch hier einmal zehn solcher besonderen Drumfills zusammengestellt. Es gibt natürliche unendlich viele mehr, wobei es auch hier in erster Linie der eigene Geschmack und musikalische Hintergrund sind, die die Auswahl bestimmen.
- Phil Collins: „In The Air Tonight“ (1981, Drummer: Phil Collins)
- Led Zeppelin: „Whole Lotta Love“ (1969, Drummer: John Bonham)
- Whitney Houston: „I Will Always Love You“ (1992, Drums: Ricky Lawson)
- Toto: „Africa“ (1982, Drums: Jeff Porcaro)
- Nirvana: „Smells Like Teen Spirit“ (1991, Drums: Dave Grohl)
- The Beatles: „Come Together“ (1969, Drums: Ringo Starr)
- Billy Cobham: „Stratus“ (1973, Drums: Billy Cobham)
- Soundgarden: „Black Hole Sun“ (1994, Drums: Matt Cameron)
- The Police: „Every Little Things She Does Is Magic“ (1981, Drums: Stewart Copeland)
- Europe: „The Final Countdown“ (1986, Drums: Ian Haugland)
Beginnen wir mit einem Fill, das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu den bekanntesten Drumfills der Welt gehört und bei dessen Nominierung sich deswegen wohl fast alle einig sein werden, nämlich:
Phil Collins: „In The Air Tonight“ (1981, Drummer: Phil Collins)
Generation von wollenden, werdenden wie aus- und weitergebildeten Drummern haben zu diesem legendären Fill bereits Freiluftübungen vollzogen oder es am Set selbst studiert. Genau das zeigt wohl die Genialität dieses Fills von Phil Collins: Es ist im Grunde rhythmisch recht übersichtlich, erfüllt aber auf eine herausragende Art und Weise seinen Zweck. Zudem steht das Fill sehr exponiert, quasi nackt, an einer zentralen Stelle des Songs, nachdem bis dahin vor allem ein Drumcomputer das rhythmische Geschehen mit einer nahezu monotonen Charakteristik bestimmt hat. Insofern markiert das Fill nach 3:15 Minuten (!) auch eine Art Drumintro, denn an genau dieser Stelle setzt das Schlagzeug im Song mit aller Wucht ein. Viel wirkungsvoller kann man es kaum machen.
Led Zeppelin: „Whole Lotta Love“ (1969, Drummer: John Bonham)
Das Fill am Ende des, sagen wir mal, expressionistischen Teils (bei ca. 3:18 Minuten der fünfeinhalbminütigen Albumversion) von Led Zeppelins wohl erfolgreichster Single hat einen ähnlichen Effekt wie dasjenige bei „In The Air Tonight“: Es markiert ebenfalls den (Wieder-)Einstieg in den Groove des Songs. John Bonham leitet diesen mit schweren Akzenten, einem riesigen Sound sowie schnörkellos ausgespielten und dabei wohl bewusst nicht auf der „1“ beginnenden Sechzehntelnoten auf der Snare ein – auch das sicher kein Hexenwerk, aber an dieser Stelle (vor allem mit den davor mit der Band zusammen gespielten Kicks) an Wirkung schwerlich zu überbieten. Das Fill ist fast wie ein Luftholen, bevor es wieder in den Groove geht.
Whitney Houston: „I Will Always Love You“ (1992, Drums: Ricky Lawson)
Reduzierter geht’s wahrhaftig nicht, denn dieses ikonische Fill (bei ca. 3:10 Minuten) von US-Drummer Ricky Lawson besteht nur aus einem einzigen Schlag. Der hat es dafür aber tonnenschwer in sich. Vor der Wiederholung des Refrains – bis dahin war das Schlagzeug nur sehr dezent im Hintergrund zu hören – markiert dieser kräftige Auftakt den Anfang der (zugegeben etwas ausufernden) Schlusssequenz des Songs, in der sich auch Houstons Stimme in höchste Höhen schraubt. Lawsons Mut zur Lücke verleiht dieser Stelle Dramatik und gleichzeitig viel Raum.
Toto: „Africa“ (1982, Drums: Jeff Porcaro)
Auch hier befindet sich das fragliche Fill (bei ca. 1:06 Minuten) am Übergang von Strophe und Refrain. Mal ganz davon abgesehen, dass Jeff Porcaro bei „Africa“ ohnehin einen nahezu perfekten Groove hinlegt, zeigt er auch in diesem ikonischen Drumfill seine wahre Meisterschaft: Es ist übersichtlich, aber musikalisch höchst geschmackvoll. Mit dem Fill über die Toms leitet Porcaro den Refrain mit eleganter Perfektion ein.
Nirvana: „Smells Like Teen Spirit“ (1991, Drums: Dave Grohl)
Drummer Dave Grohl bedient sich bei diesem ikonischen Fill offensichtlich bei John Bonham: Vor dem Refrain spielt auch er schnörkellose Sechzehntelnoten auf der Snaredrum (bei 0:55 Minuten), die allerdings mit einem fetten Flam auf der Zählzeit „4“ enden und damit den perfekten Auftakt für das Folgende geben. Um diesen Effekt noch ein bisschen dramatischer zu machen, fügt Grohl einen Bassdrumschlag auf der letzten Sechzehntel der Zählzeit „3“ ein.
The Beatles: „Come Together“ (1969, Drums: Ringo Starr)
Wie viel ist über dieses Fill, das im Prinzip zum Groove des Songs gehört, schon spekuliert worden? Wie genau Ringo Starr es als Linkshänder auf seinem Rechtshänder-Kit spielt, darüber streiten die Geister. Tatsache ist jedoch, dass das Tomfill am jeweiligen Ende des Introgrooves und am Übergang, bevor die Strophe einsetzt, auf perfekte Art und Weise den Groove selber unterstützt und ihm federnde Eleganz verleiht. Dazu zählen auch die vier exponierten Hi-Hat-Schläge in der Mitte. Gleichzeitig bildet dieser sextolische Groovebestandteil als Fill vor der Strophe (bei 0:13 Minuten) einen scharfen Kontrast zu den pfeilgerade gespielten Achtelnoten auf der Standtom, deren Wirkung dadurch enorm verstärkt wird.

Als Schlagzeuger oder Musikfan kommt man an ihm nicht vorbei: Ringo Starr. Hier erfahrt ihr alles über den legendären Beatles-Schlagzeuger.
Billy Cobham: „Stratus“ (1973, Drums: Billy Cobham)
Als wäre dieser Song nicht schon ohnehin randvoll von schlagzeugtechnischer Extravaganz, stechen doch die Fills, die Cobham hier an neuralgische Punkte setzt, besonders heraus. Wie man es schafft, so viele Schläge in kurze Zeitabschnitte zu ‚quetschen‘, diese Meisterschaft hat fast nur ein Cobham, wofür er absolut zu Recht legendär geworden ist. Beispielhaft sei an dieser Stelle auf das den B-Teil des Songs einleitende Fill bei 0:36 Minuten verwiesen – oder das wieder zurück leitende Fill bei 0:53 Minuten oder, oder, oder…
Soundgarden: „Black Hole Sun“ (1994, Drums: Matt Cameron)
In diesem Track geht’s in erster Linie um Raum, Raum für die Gitarren und natürlich den Gesang. Dessen ist sich Matt Cameron vollends bewusst und fokussiert auch in seinen Fills auf das Wesentliche. Das gilt auch für das jeweils den Refrain einleitende Fill. Eine besondere Dramatik erhält dieses nach dem 9/4-Zwischenteil bei 3:37 Minuten. Nachdem Gitarre und Gesang allein sind, leitet Cameron den Einsatz der Band mit einem leicht ‚oldschooligen‘ Fill, das die Hauptzählzeiten dezent verschnörkelt und so als eleganter ‚Einzähler‘ für die Band fungiert.
The Police: „Every Little Things She Does Is Magic“ (1981, Drums: Stewart Copeland)
Das Fill vor dem Refrain (bei 0:34 Minuten) gestaltet Stewart Copeland simpel, aber mit viel Geschmack und Musikalität. Er setzt nur einen Akzent, der als Hook für den Refrain dient. Aber dieser sitzt eben nicht auf einer Hauptzählzeit, in diesem Fall der „1“, sondern ist auf die „4+“ vorgezogen, was der ganzen Aktion im Zusammenspiel mit dem drumtechnisch leeren Folgetakt eine fulminante Dramatik verleiht.
Europe: „The Final Countdown“ (1986, Drums: Ian Haugland)
Das letzte Fill dieser Sammlung stammt aus einem äußerst erfolgreichen ‚Hassliebestück‘, „The Final Countdown“ von Europe. Das große Fill, um das es hier geht, leitet das Gitarrensolo bei ca. 3:13 Minuten ein. Hier handelt es sich um ein zweitaktiges Fill, das durch so manche Feinheiten Eleganz und gleichzeitig enormen Druck hat. Zum Beispiel fängt es erst auf der Zählzeit „2“ an und umspielt die Hauptzählzeiten. Dabei bedient es sich einer repetitiven Rhythmik, die aber durchbrochen wird und dadurch besonderen Schub erhält.
Jetzt seid ihr an der Reihe. Welches legendäre Fill gehört für euch zu den Top-10 aller Zeiten? Die Diskussionsrunde ist eröffnet.

























Patrick sagt:
#1 - 02.06.2026 um 13:04 Uhr
Dachte ihr zeigt die Fills und sagt danach welche Titel das war, dass man ein wenig mitraten kann... Das war zumindest mein erster Gedanke, als mir das vorgeschlagen wurde. Wäre cooler gewesen ...
Crimso67 sagt:
#2 - 02.06.2026 um 18:09 Uhr
Die Auswahl ist schon sehr Mainstream! Wie wäre es mit - um im Mainstream zu bleiben - Steve Gadd bei Aja von Steely Dan und fast allem von Neil Peart und Bill Bruford gewesen? Und im Jazz lässt sich auch noch so einiges finden, so dass man nicht auf die Idee kommen muss, Europe zu nominieren.
Marco sagt:
#3 - 02.06.2026 um 20:38 Uhr
twillight of the thunder gold von amon amarth