In dieser Folge dreht es sich um die Blues-Ballade und darum, den 6/8 Blues Groove am Schlagzeug zu interpretieren. Der Blues ist die musikalische Grundlage für alle heutigen Stile und entstand aus der Musik der weißen US-Einwanderer einerseits und afrikanischstämmiger Sklaven andererseits. „To feel blue“ bezeichnet einen melancholischen Gemütszustand, und der Blues erzählt Geschichten von Schmerz, unerfüllter Hoffnung, Liebeskummer und dem Leid der Afro-Amerikaner während der Zeit der Rassentrennung. So erklärt sich sicherlich auch die enorme Kraft und der immer noch große Einfluss dieses Stils auf die heutige Musik.

In diesem Workshop treffen wir auch zwei alte Bekannte aus den vorangegangenen Folgen wieder: die Pop-Ballade und den Jazz. Wenn ihr euch intensiv mit diesen beiden Crashkursen beschäftigt habt, werdet ihr auch die Blues-Ballade mit Leichtigkeit bewältigen.
- Technisch übersichtlich, aber das Gefühl muss stimmen
- Der Slow Blues ist ein super Einstieg in ternäres Spiel
- Der 6/8 Blues Groove in unserem Song
- Beginner-Tipp
- Profi-Tipp
- Play-Alongs zum Download
- Weichere, dunklere Drumsounds klingen gut für Slow Blues
- Welche Snaredrums klingen gut für Blues?
- Welche Becken passen zu Blues?
- So könnt ihr euren Sound auf einfache und günstige Art weicher machen
- Von mir verwendetes Equipment
Technisch übersichtlich, aber das Gefühl muss stimmen
Der Blues und die Blues-Ballade sind triolische Spielarten und verraten schon dadurch ihre stilistische Nähe zum Jazz. Sie gehören heute zu den musikalischen Standards, und nicht wenige Musiker messen die Qualität ihrer Kollegen daran, wie authentisch sie das getragene, aber mitnichten einfache Feeling umsetzen können. Als der Blues sich ab den 30er Jahren in den USA entwickelte, standen die Drummer in der Regel nicht in der ersten Reihe, ihre Namen wurden durch die berühmten Frontleute bekannt. Sam Lay, Fred Below und „Big Eyes“ Smith spielten beispielsweise bei Muddy Waters, S.P. Leary mit John Lee Hooker.
„Reine“ noch lebende Bluesdrummer gibt es gar nicht so viele, mir fallen Chris Layton, BB King’s Tony Coleman und Steve Jordan ein, aber auch Jay Bellerose bedient das Metier Blues und Slow Blues meisterhaft. Dann gibt es natürlich die Helden des Shuffles wie Bernard Purdie, Al Jackson und Jabo Starks sowie unzählige Jazz- und Studiodrummer, die das Metier Blues ebenfalls toll beherrschen. Allen genannten Drummern ist gemein, dass sie für einen äußerst musikalischen, auf’s Wesentliche reduzierten Stil stehen.

Der Slow Blues ist ein super Einstieg in ternäres Spiel
Als ambitionierte Trommler solltet ihr euch auf jeden Fall mit dieser Stilistik beschäftigen, denn sie ist eine jener Musikrichtungen, die beim ersten Hören simpel klingen, es aber in sich haben, wenn es um das passende Spielgefühl geht. Aufgrund der langsamen Geschwindigkeit eignet sich der Slow Blues gut für die Annäherung an triolisches Spiel, das entsprechende Feeling kommt mit der Erfahrung und durch das Zusammenspiel mit guten Bluesmusikern und -musikerinnen.
Der 6/8 Blues Groove in unserem Song
Wir haben wieder eine sehr klare und übersichtliche Struktur für unser Play-Along gewählt, das aus zwei achttaktigen Grundpatterns besteht, die sich jeweils zweimal wiederholen. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich beim 6/8-Groove um eine triolische Einteilung, jeder Takt beinhaltet also sechs Achtelnoten. Ich benenne sie mit den Ziffern Eins bis Sechs.
Im Strophenteil – den ersten acht Takten des Play-Alongs – haben wir es mit einem zweitaktigen Groove zu tun. In beiden Takten spiele ich die Achtel auf der geschlossenen Hi-Hat, während die Bassdrum immer auf der „Eins“ und der Snare-Backbeat immer auf der „Vier“ landet. Im ersten Takt ist auf der Zählzeit „Sechs und“ eine als Ghostnote (also sehr leise) gespielte Snare zu hören, im zweiten Takt gibt es auf derselben Position eine Bassdrum. Achtet beim Spielen unbedingt darauf, die 16tel-Noten “geshuffelt” zu interpretieren. Notiert sieht das dann so aus:

Im Refrain passieren ein paar kleine Änderungen, die den Groove akustisch etwas „verbreitern“. Zunächst spiele ich die Achtel auf dem Ridebecken, wobei ich den Backbeat mit einer getretenen Hi-Hat unterstütze. Zudem wird unsere Begleitung eintaktig. Die Bassdrum spielt jetzt nur noch auf der „Eins“, dafür kommen auf den Zählzeiten „Vier und“ sowie „Fünf und“ zwei Ghostnotes auf der Snaredrum hinzu. Die enge Verwandtschaft zum Jazz und damit zum Swingpattern wird jetzt außerdem durch die Addition der Zählzeit „Sechs und“ auf dem Ridebecken deutlich. In Notenform wird es noch etwas übersichtlicher:

Und so hört sich meine Version an:
Beginner-Tipp
Startet zunächst ganz schnörkellos, falls euch die Schläge auf den Sechzehnteln verwirren. Diese Noten lockern das musikalische Geschehen zwar auf, sind aber für einen „funktionierenden“ 6/8el erstmal nicht zwingend notwendig. Viel wichtiger ist, dass ihr das sehr langsame – und deswegen wirklich knifflige – Tempo solide spielt. Nehmt euch ruhig einige Durchgänge Zeit, bis ihr „in Stimmung“ seid. Zu viel Kaffee, Stress oder starker Harndrang sind einem authentischen Blues-Balladen-Feel übrigens nicht zuträglich.
Profi-Tipp
Wenn euch der Basisgroove keine Schwierigkeiten bereitet, konzentriert euch darauf, schön „laid back“ zu spielen und besonders den Backbeat so spät zu platzieren wie möglich. Das hat großen Einfluss auf das Gesamtgefühl des Songs und erzeugt diese einzigartige Schwere, von der Songs wie dieser hier leben. Technisch könnt ihr natürlich mit den Ghostnotes variieren und sie auf zusätzliche „und“-Zählzeiten legen. Dabei solltet ihr allerdings nicht übertreiben, weil es sonst schnell unruhig werden kann. Eine Blues-Ballade lebt von gefühlvoller Umsetzung, nicht von technischen Spielereien.

Play-Alongs zum Download
Wie immer beim bonedo Crash-Kurs könnt ihr euch hier zwei Versionen des Play-Alongs (mit und ohne Click) sowie meine Version mit Drums herunterladen.
Weichere, dunklere Drumsounds klingen gut für Slow Blues
Passend zur Stimmung und zum Feel von 6/8 Blues-Balladen, eignen sich besonders gut Drumsounds, die nicht zu aggressiv oder attackbetont klingen. Die hochgestimmte Piccolosnare oder der Plastikbeater an der Fußmaschine sind also nicht unbedingt die perfekte Wahl. Besser aufgehoben ist die Musik bei nicht zu kleinen Trommeln mittlerer bis tieferer Stimmung. Idealerweise habt ihr für Sounds der 50er und 60er Jahre ein altes Vintage Kit, natürlich könnt ihr aber auch modernes „Besteck“ verwenden.
Was für die Trommeln gilt, passt auch für die Becken. Schwere, rockige Cymbals passen genauso wenig wie sehr kurze, „trashige“ Instrumente. Dünne Ridebecken mit eher dunklem Charakter eignen sich gut, die Soundspezialisten unter euch haben ein Ride mit Nieten oder eine Nietenkette („Sizzler“). Die sorgen für ein wohliges Rauschen, eine softe Klangtextur, welche sich speziell in langsamen Tempi sehr schön entfalten kann.
Welche Snaredrums klingen gut für Blues?
Weiter oben habe ich ja schon kurz angemerkt, dass hoch und knallig klingende Snares nicht unbedingt die erste Wahl für langsamen Blues sind. Aber welche Snaredrums und Tunings eignen sich besser? Hier hängt es natürlich von eurer Situation ab, spielt ihr nur Blues oder ist die Blues-Ballade das einzige Stück seiner Art in eurem Portfolio? So oder so funktionieren Instrumente der Dimensionen 14“ x 5“ bis 14“ x 8“ in mittlerer Stimmung gut.
Das Material spielt dabei gar keine große Rolle, sofern euch nicht ein ganz spezieller Klang vorschwebt. Falls ihr die Sounds der alten Klassiker imitieren wollt, könnt ihr euch von ihren Snares inspirieren lassen. Viele der damaligen Drummer haben Trommeln von einer der bekannten US-Marken gespielt, ganz vorne dabei natürlich die Ludwig Supraphonic und die Gretsch Messing-Snaredrums. Auch Modelle der Marken Rogers und Slingerland werdet ihr auf den Alben der Blues-Helden oft hören.
Welche Becken passen zu Blues?
Bei der Wahl der Becken für Slow Blues und Blues gilt sicherlich dasselbe wie für viele andere Stile, zum Beispiel Pop, Jazz, R’n’B oder Funk. Es darf also eher dunkel und komplex zugehen, ein lauter Ping bei Ridebecken oder scharfe Höhen bei Crashes sind also nicht unbedingt zu empfehlen. Splashes, Chinas und Stacks sind nicht verboten, allerdings wenig stilecht, wenn ihr den Sound aus der Mitte des 20. Jahrhunderts imitieren möchtet.
Bei Hi-Hats ist die Wahl nicht so kritisch, hier eignen sich nahezu alle Modelle. 14“ ist der Standard, meine persönlichen Favoriten für Blues und viele andere Stile wären 15“-Modelle. Die klingen etwas tiefer im Pitch und integrieren sich damit optimal. Berühmte Spieler wie Steve Jordan verwenden sogar noch größere Durchmesser, seine Signature Hi-Hat misst 17“ und besteht aus zwei Crashbecken.
So könnt ihr euren Sound auf einfache und günstige Art weicher machen
Neue Trommeln und Becken sind oft gar nicht nötig, um euer Drumset an die musikalischen Anforderungen anzupassen. Mit wenig Geld und Aufwand könnt ihr euren Drumsound runder, dunkler und weicher machen. Speziell für Stile wie Blues, (Blues-) Balladen oder Singer-Songwriter-Einsätze gibt es tolle Add-Ons, die sofort einen riesigen Unterschied machen. Die gängigsten sind weiche Dinge, die ihr auf eure Trommeln legt, also Dämpfung. Je mehr Fläche eures Fells bedeckt ist, desto stärker ist der Effekt, textile Produkte machen zudem den Attack deutlich weicher.

Trommeldämpfer gibt es wie Sand am Meer. Warum die Rohema Muff Bites besonders innovativ sind und wo man Kompromisse machen muss, erfahrt ihr hier.

An der Bassdrum könnt ihr den Effekt durch verschiedene Maßnahmen erzeugen. Eine davon ist der Kauf eines sehr weichen Schlägels aus Fleece oder Lammfell. Damit wird dem Anschlag der Fokus genommen, die Bassdrum klingt weich und rund. Eine weitere Möglichkeit für einen „moody“ Bassdrumsound ist das Anbringen des BassMuffs von Rohema. Der funktioniert wie eine Art Socke und wird einfach über euren bereits vorhandenen Bassdrum-Beater gezogen.
Toll sind auch die oben schon genannten Sizzler für Becken. Sie erzeugen einen subtilen, sanft ausklingenden Rasseleffekt, nehmen dem Becken die Schärfe und „verbinden“ die Pausen zwischen den Schlägen. Falls ihr euch nicht davor scheut, ist auch die Installation von Nieten („Rivets“) eine Möglichkeit.
Von mir verwendetes Equipment
Für unser balladeskes Play-Along wollte ich einen schön luftigen, eher wenig attackbetonten Sound und habe mich daher für Hot Rods entschieden. Mit einem Vic Firth „Puschel“-Beater spiele ich meine Wahan 24“x13“ Acryl Bassdrum nicht allzu kräftig und lasse die Trommel atmen, indem ich den Schlägel nach dem Anschlag vom Fell zurück nehme. Der Tomschlag landet auf einem Wahan Buchenholz Tom, die Snare ist eine Noble & Cooley 14×5 Zoll Solid Snare aus Kirschenholz.
An Blech gibt es eine Istanbul Agop Om Hi-Hat in 15 Zoll, ein Bosphorus Samba Ride in 22 sowie ein Bosphorus Black Pearl Crash in 19 Zoll. Ein 18er Sabian HHX O-Zone kommt ebenfalls kurz zum Einsatz.
Zum Schluss noch ein Anspieltipp: der Song „Gravity“ von John Mayer. Hier bedient der großartige Steve Jordan die Drums. Es klingt zwar wie ein Gegensatz, aber ich wünsche euch viel Spaß (und wenig Schmerz) mit dem Blues!
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egli sagt:
#1 - 20.11.2017 um 21:30 Uhr
Hallo
Wie programmiere ich diese Ryhtmen in meinen Drum Computer? Bitte aufklären!
Max Gebhardt sagt:
#1.1 - 21.11.2017 um 14:03 Uhr
Hallo egli, das kann ich dir pauschal leider nicht sagen, da solltest du in die Anleitung deines Drumcomputers gucken. Eine typische Vorgehensweise wäre allerdings, zunächst die Taktart einzustellen und anschließend die entsprechenden Instrumente zu programmieren. Also Hihats auf alle 6 bzw 12 Positionen, dann Snare auf 2 und 4 und Kick auf 1 und 3. beste Grüße Max
Antwort auf #1 von egli
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