In den 70er-Jahren emanzipierte sich der E-Bass endgültig zu einem der Gitarre oder dem Piano gleichwertigen Instrument. Virtuosen wie Jaco Pastorius und Stanley Clarke zeigten deutlich, was man diesem Instrument mit den vier dicken Drähten alles entlocken konnte. Larry Graham erfand die Slaptechnik und leitete dadurch buchstäblich eine Revolution ein, die bis heute nachhallt. Der Funk wurde zu einem der bedeutendsten Genres der Dekade und brachte Ende der 70er-Jahre Disco Funk mit dem großen Bass-Heroe Bernard Edwards hervor. Zudem nahmen Styles wie Heavy Metal und Progressive Rock richtig Fahrt auf.

Auswahlkriterien
Zunächst einmal haben wir uns auf Basslines in Songs festgelegt – also keine Solobass-Werke. Natürlich könnten wir diese Liste problemlos mit Jaco Pastorius und Stanley Clarke alleine füllen. Die ausgewählten Basslines sollen in ihren Genres aber bis heute nachwirken und Inspiration für nachfolgende Generationen an Bassleuten sein. Zudem haben wir versucht, jedes wichtige Genre der Seventies abzudecken.
Last but not least ist so eine Liste natürlich auch stets durch unseren persönlichen Geschmack geprägt und kann allein von daher nicht objektiv sein. Es ist deshalb wie immer nicht unwahrscheinlich, dass euer ein oder anderer persönlicher Favorit fehlt.
▶ „Thank You (Falettinme Be Mice Elf Agin)“
- Band: Sly & The Family Stone
- Album: „Single“
- Jahr: 1970
- Bassist: Larry Graham
Dieser Titel beinhaltet die erste auf Platte gepresste Slap-Bassline, wodurch er für immer einen ganz besonderen Stellenwert in die Musikgeschichte innehaben wird!
▶ „Good Times“
- Band: Chic
- Album: „Risque“
- Jahr: 1979
- Bassist: Bernard Edwards
Einige der wenigen Basslines, die vermutlich jedes Kind kennt. Bernard Edwards ist einfach der „King Of Disco Bass“ und schuf in seiner Zeit bei Chic, Sister Sledge und Diana Ross unzählige geniale Basslines. „Good Times“ sticht dabei heraus, da es die Definition von Disco-Bass ist und bis heute immer wieder als Vorlage für andere Künstler diente.
▶ „What’s Going On“
- Band: Marvin Gaye
- Album: „What’s Going On“
- Jahr: 1971
- Bassist: James Jamerson
Auch noch zu Beginn der 70er-Jahre war James Jamerson auf dem Höhepunkt seines leider viel zu kurzen Schaffens. Marvin Gayes gesellschaftskritische Hymne „What’s Going On“ unterstützte James mit einer Bassline, die den Gänsehaut-Song einfach genial unterstützt.
▶ „Hair“
- Band: Graham Central Station
- Album: Graham Central Station
- Jahr: 1974
- Bassist: Larry Graham
Ertappt, Larry Graham kommt tatsächlich zweimal in dieser Liste vor! Sein musikalischer Beitrag in den 70er-Jahren ist aber so bedeutend für die Geschichte unseres Instruments, dass einfach kein Weg an ihm vorbeiführt. Mit der Bassline zum Song „Hair“ schuf Graham meiner Meinung nach das wohl beste Slap-Bassriff aller Zeiten.
▶ „Roundabout“
- Band: YES
- Album: „Fragile“
- Jahr: 1971
- Bassist: Chris Squier
Die Speerspitze des aufsteigenden Prog Rocks bildeten Bands wie Genesis – und natürlich YES. Der geniale YES-Bassist Chris Squire zeigte unter anderem im Song „Roundabout“, wo rhythmisch, melodisch und spieltechnisch der Hammer hängt – und das bereits ganz früh in den Seventies, nämlich im Jahr 1971!
▶ „N.I.B.“
- Band: Black Sabbath
- Album: „Black Sabbath“
- Jahr: 1970
- Bassist: Geezer Butler
Besonderheit: Ein klassischer Hardrock- bzw. Heavy-Metal-Song, der mit einem Basssolo beginnt? Der darf hier natürlich nicht fehlen! Zudem war Geezer Butlers Sound, der durch ein von Gitarrist Tony Iommi ausgeliehenes Wah-Wah-Pedal entstand, damals etwas vollkommen Neues.
▶ „For The Love Of The Money“
- Band: The O’Jays
- Album: „Ship Ahoy“
- Jahr: 1973
- Bassist: Anthony Jackson
Quasi ganz nebenbei erfand der hochdekorierte Session-Bassist Anthony Jackson mal eben das „Funky Pick Bass“-Spiel. Seine Bassline zu „For The Love Of The Money“ mit Phaser und Reverb war ebenfalls zur damaligen Zeit ein vollkommen neuer Sound und animiert bis heute zahlreiche nachfolgende Bassistinnen und Bassisten, auch mal zum Plektrum zu greifen.
▶ „What Is Hip?“
- Band: Tower Of Power
- Album: „Tower Of Power“
- Jahr: 1973
- Bassist: Francis Rocco Prestia
Neben Jaco Pastorius war Francis Rocco Prestia der Bassist, der den Fingerstyle Funk erst definierte – vielleicht gäbe es diesen Begriff ohne Rocco gar nicht. Der Song „What Is Hip?“ ist zu einer wahren Basshymne in diesem Bereich geworden und stellt bis heute Bassistinnen und Bassisten vor eine riesige Herausforderung.
▶ „Get Up (I Feel Like Being A) Sex Machine“
- Band: James Brown
- Album: „Sex Machine“
- Jahr: 1970
- Bassist: Bootsy Collins
Paradiesvogel Bootsy Collins erschuf mit seinen Kollegen aus der Rhythmusgruppe eine Blaupause für die gemeinsame Verzahnung von Bass, Drums und Gitarre. Wenn man jemand das Groove-Konzept von Funk erklären möchte – „Sex Machine“ ist das Paradebeispiel dafür!
▶ „Black Dog“
- Band: Led Zeppelin
- Album: „IV“
- Jahr: 1971
- Bassist: John Paul Jones
Led Zeppelin legten mit ihrem vierten Album die Messlatte mal gleich mehrere Meter höher und ebneten den Weg für zahlreiche Bands, die folgen sollten. Der Kracher „Black Dog“ mit seiner sensationellen Bassline von John Paul Jones eröffnet dieses Kultalbum und zeigt britischen Riffrock at ist best.
Habt ihr noch persönliche Favoriten-Basslinien aus den Siebziger-Jahren? Dann schreibt sie uns gern in die Kommentare – wir sind gespannt! Bis zum nächsten Mal, euer Thomas Meinlschmidt

Kaum ein anderes Jahrzehnt war so von Freiheit und sprudelnder Kreativität geprägt wie die “Swingin’ Sixties”. Wir präsentieren euch die bedeutendsten Basslinien der 1960er-Jahre.
