Gitarristen lieben Verzerrerpedale – kaum ein Effektboard kommt ohne Overdrive, Distortion oder Fuzz aus. Kein Wunder, denn schon mit vergleichsweise kleinem Budget lässt sich der eigene Gitarrensound deutlich verändern und flexibel anpassen. Wenn das neue Pedal trotzdem nicht sofort überzeugt, liegt das jedoch nicht immer am Gerät selbst, sondern häufig an der Art und Weise, wie es eingesetzt wird: Verzerrer reagieren je nach Amp, Gitarre, Pickup, Gain-Setting und Signalweg sehr unterschiedlich, weshalb einfache Kategorien wie „richtig“ oder „falsch“ oft zu kurz greifen. Hier zeigen wir euch, worauf man beim Einsatz von Overdrive- und Distortion-Pedalen achten sollte und welche typischen Fehler sich leicht vermeiden lassen.

- Verzerrer vor Clean- oder Crunch-Amp: So beeinflusst der Amp-Zerrgrad deinen Pedal-Sound
- Pedalboard-Reihenfolge: Overdrive, Distortion, Delay und Modulation richtig platzieren
- Verzerrer und Bright-Caps: So vermeidest du unangenehmes Sizzeln im Gitarrensound
- Tone-Regler bei Overdrive und Distortion: So verhinderst du harsche Höhen
- Verzerrer und Pickup-Output: Warum heiße oder aktive Pickups den Pedalsound verändern können
- Gain-Regler am Distortion-Pedal: Mehr Verzerrung ohne Matsch und Nebengeräusche
Verzerrer vor Clean- oder Crunch-Amp: So beeinflusst der Amp-Zerrgrad deinen Pedal-Sound
Das Setting des Verzerrers und der daraus resultierende Klang sind immer sehr stark vom voreingestellten Zerrgrad des Amps abhängig. Dieser kann entweder vollkommen clean sein, wie man es häufig bei Transistoramps oder bestimmten Fendermodellen einstellt, oder aber schon leicht im Break-up liegen, was man z. B. gerne bei britischen Amps oder auch Fender-Bassmans hört. Häufig liest man, dass Hard-Clipping-Distortion-Pedale der neueren Generation mit cleanen Amps besser harmonieren als mit angezerrten. Wer unzufrieden mit seinem Sound ist, kann hier definitiv ansetzen und seinen Verstärker weitestgehend unverzerrt halten.
Allerdings wurden Distortionpedale der frühen Generation wie der Boss DS-1, der MXR Distortion oder die ProCo RAT sehr häufig vor leicht zerrenden Verstärkern eingesetzt. Wer auf diesen Sound steht, muss beachten, dass die Nebengeräusche bei einem solchen Setup merklich angehoben werden. Bei Overdrive- bzw. Soft-Clipping-Pedalen wird man hingegen sicherlich mit leicht angezerrten Amps die besseren Ergebnisse erzielen. Vor allem Pedale im Stil des Tube Screamers oder des Boss OD-1 lieben es, den Amp durch höhere Level- und niedrigere Gain-Settings am Pedal in andere Crunch-Sphären zu heben.
Pedalboard-Reihenfolge: Overdrive, Distortion, Delay und Modulation richtig platzieren
Platziert man seine Verzerrer auf dem Pedalboard, so macht es unter Umständen Sinn, die Bodentreter in der Reihenfolge ihres Zerrgrades aufsteigend anzuordnen. Das bedeutet, das Distortionpedal hinter den Overdrive zu setzen, wenn ersteres den Haupt-Rhythmus-Sound generiert, denn so kann man seinen Solosound nach Belieben mit dem vorgeschalteten Pedal im Gain boosten. Eine grobe Faustregel besagt, dass alle zeitbasierten Effekte wie Delay und Reverb oder Modulationspedale wie Chorus oder Flanger hinter der Zerrabteilung am besten aufgehoben sind.
Doch auch hier gibt es Ausnahmen: Wer auf 70er-Jahre-Sounds steht, darf gerne sein Delay oder seinen Phaser vor dem Distortion platzieren. Der Grund: Damals hatten Amps noch keinen Einschleifweg und die Pedale speisten das Signal in den bereits verzerrten Amp, wie es z. B. bei Van Halens “Ain’t Talking ’bout Love” oder „Unchained“ oder auch bei Bands wie den Eagles zu hören ist. Probiert euch hier aus und vertraut eurem Ohr: Erlaubt ist, was gefällt!
Verzerrer und Bright-Caps: So vermeidest du unangenehmes Sizzeln im Gitarrensound
Etwas Vorsicht ist beim Einsatz von Verzerrern in Kombination mit Amps geboten, die entweder ein fest verbautes Bright-Cap oder einen Bright-Switch besitzen. Hier provozieren sowohl Overdrives als auch Distortions möglicherweise ein unangenehm hohes Sizzeln, das sich mit dem Tone-Regler am Pedal nur begrenzt herausdrehen lässt. Die Settings am Amp möchte man meist nicht ändern, da diese auch das Cleansignal betreffen würden. Hier gilt es, auszuprobieren und zu suchen, welcher Verzerrer am besten mit dem favorisierten Cleansound am Amp harmoniert. Oder ihr sucht einen Amp, der euch beide Sounds befriedigend bereitstellt.
Tone-Regler bei Overdrive und Distortion: So verhinderst du harsche Höhen
Erfahrungsgemäß stellt der Tone-Regler an Distortion- und Overdrive-Pedalen je nach Einstellung eine große Fehlerquelle dar. Einige Pedale sind bekannt dafür, dass sie gerade bei höheren Treble-Werten sehr unangenehm und giftig werden – man denke nur an den Tubescreamer. Häufig fährt man zwischen dem Minimal- und dem ca. 14-Uhr-Setting sehr gut und sollte sich dort von unten nach oben durcharbeiten, bis man den gewünschten Sound gefunden hat.
Verzerrer und Pickup-Output: Warum heiße oder aktive Pickups den Pedalsound verändern können
Einige wenige Verzerrer, vor allem der frühen Generation, können unter Umständen bei Pickups mit zu hohem Output oder bei aktiven Modellen nicht die erwünschten Sound-Resultate erzielen. Man darf nicht vergessen, dass die ersten Distortionpedale aus einer Generation stammen, in der die extrem heißen Tonabnehmer der Metal-Generationen noch Zukunftsmusik waren.
Geht es in den IC, der das Diodenclipping bedient, wird das nicht viel ausmachen. Überfährt man jedoch den Input-Buffer, kann das Ergebnis unangenehm ausfallen. Aber bei moderneren Pedalen wird dieses Problem in der Regel nicht auftreten.
Gain-Regler am Distortion-Pedal: Mehr Verzerrung ohne Matsch und Nebengeräusche
Ein Fehler, der häufig vor allem bei Distortion-Pedalen gemacht wird, ist ein zu hoch eingestellter Gain-Regler. Bei manchen Modellen ändert sich jenseits der 15-Uhr-Stellung nämlich nicht mehr viel am Zerrgrad, lediglich die Kompression und die Nebengeräusche gehen drastisch in die Höhe, was zu matschigem und undifferenziertem Sound führen kann. Wer mehr Gain wünscht, fährt deutlich flexibler, wenn er in Kombination mit einem Booster arbeitet und sein Pedal eher auf moderate Gainwerte setzt, denn dann bleibt der Rhythmussound definiert und der Leadsound ist optional schaltbar.
























