Test: Eventide H9 Gen2 – Lohnt sich das Upgrade für den Klassiker?

Mit dem Eventide H9 Gen2 bringt der amerikanische Hersteller den eigenen Pedal-Klassiker auf den neuesten Stand der Technik. Das Pedal präsentiert sich in schwarzem Outfit und mit einem LCD-Display sowie vier Encodern für ein schnelleres Editieren direkt am Gerät. Im Inneren warten neue Effekt-Algorithmen, die auch für andere Instrumente und Vocals interessant sind – das Ganze in gewohnter Eventide-Qualität. In diesem Test erfahrt ihr, ob das Upgrade gelungen ist und natürlich, wie das Ganze klingt.

Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • exzellente Soundqualität der Effekt-Algorithmen
  • vielfältige Sounds und Effekte
  • hervorragende Presets
  • LCD-Display
  • bessere Bedienung am Gerät durch Parameter-Encoder
  • übersichtliches Editieren über die Eventide Control App
  • Echtzeitbearbeitung der Effekte durch Hot Knob und Fußschalter
  • MIDI
  • mehr interner Speicher durch verschiedene User-Listen
Contra
  • nur ein Effekt-Algorithmus gleichzeitig

Eventide H9 Gen2 – Das Wichtigste in Kürze

  • Was ist das Eventide H9 Gen2?  Das Eventide H9 Gen2 ist ein Multi-Effektgerät mit einem großen Angebot an Effekt-Algorithmen in ganz unterschiedlichen Kategorien. Von Standards wie Overdrive/Fuzz oder Delay/Reverb bis zu extremem Pitch-Shifting- oder Synth-Sounds.
  • Wie viele Effekt-Algorithmen können beim Eventide H9 Gen2 gleichzeitig aktiviert werden? Beim H9 Gen2 kann immer nur ein Effekt-Algorithmus genutzt werden. 
  • Hat das Eventide H9 Gen2 die gleichen Effekt-Algorithmen wie das Eventide H90? Ja! Alle 74 Effekt-Algorithmen, die im H90 enthalten sind, gibt es auch für das Eventide H9 Gen2.
  • Wie viele Presets können im Eventide H9 Gen2 gespeichert werden? Im Gerät können verschiedene User-Listen angelegt werden, wobei pro User-Liste 99 Speicherplätze zur Verfügung stehen. Ein Limit an User-Listen gibt es laut Bedienungsanleitung nicht. Zudem hat das H9 Gen2 über 1000 vorgefertigte Effekt-Presets, auf die man zugreifen kann. 
  • Kann das Eventide H9 Gen2 mit einem Software Editor bedient werden? Über den USB-C Anschluss kann das Pedal an einen Computer angeschlossen und dann über die Eventide Control App editiert werden. Ein Editor für mobile Geräte ist noch nicht am Start, aber ich vermute, dass er nachgeliefert wird. Immerhin gibt es für das H90 ebenfalls einen mobilen Editor via Bluetooth.
  • Das sagt der Test: Das H9 Gen2 bietet erstklassige Klangqualität, vielseitige Effekte und eine deutlich verbesserte Bedienung im Vergleich zum Vorgängermodell. Wer mit einem Algorithmus gleichzeitig auskommt, erhält ein vielseitig einsetzbares Effektpedal. 

Was sind die besonderen Eigenschaften des Eventide H9 Gen2?

Für mich sind das in erster Linie die erstklassigen Eventide-Effekt-Algorithmen, denn da spielt der Hersteller schon seit vielen Jahren bzw. Jahrzehnten in der Oberklasse. Zuerst waren es die Rack-Einheiten, bis 2013 mit dem H9 Pedalboards für Gitarristen erschienen. Deren zeitlose, klassische Effekte sind alle im H9 Gen2 enthalten, dazu neuere Entwicklungen. Besonders hervorzuheben sind dabei die Pitch-Shifting- und Synth-Effekte, die durch den starken Prozessor in ausgezeichneter Qualität geliefert werden. Auch die Modulations- und Raumeffekte sind allesamt keine 1:1-Nachbauten traditioneller Effektgeräte. Zwar orientieren sich die Eigenkreationen mitunter an den Klassikern, zeigen aber durchweg einen eigenen Charakter. Was die Konnektivität anbelangt, ist das Pedal mit den typischen Standards bestückt: MIDI, USB-C für den Software-Editor, Stereo-IN/OUT, EXP- und CTL-Anschlüsse etc. Dazu kommen die Echtzeit-Bearbeitungsmöglichkeiten per Hot Knob und Hot Switch. 

Hot Knob und Hot Switch – clevere Lösungen für den schnellen Zugriff?

Mit der Hot Knob-Funktion kann man mehrere Parameter eines Effekts gleichzeitig mit nur einem Regler oder einem Expression-Pedal steuern. Für jeden zugewiesenen Parameter wird ein Start- und Endwert festgelegt. Wird der Hot Knob-Regler oder das Expression-Pedal bewegt, ändern sich alle Parameter synchron. Die Hot Switch-Funktion schaltet per Fußtritt zwischen zwei definierten Zuständen desselben Presets (Effekt) um. Dabei können beliebige Parameter auf alternative Werte springen, ohne dass ein neues Preset geladen werden muss.

Fotostrecke: 5 Bilder Das Eventide H9 Gen2 liefert ein großes Angebot an Effekt-Algorithmen in ganz unterschiedlichen Kategorien.

Was hat sich zwischen dem Eventide H9 Max der ersten Generation und dem Eventide H9 Gen2 geändert?

Rein äußerlich fällt das größere LCD-Display ins Auge, wo beim alten H9 nur eine Ziffernanzeige saß – ein eindeutiges Plus für das Editieren am Gerät. Beim H9 Gen2 gibt es drei Parameter-Encoder mit Tastfunktion. Dazu einen weiteren, der die Funktion des Hot Knobs übernimmt und Presets anwählt. Die Anzahl der Fußschalter (2) ist gleich geblieben, genau wie die Audioanschlüsse mit zwei Ein- und Ausgängen. Allerdings findet sich neben dem EXP-Out zusätzlich ein separater Anschluss für einen externen Fußschalter (CTL). Ordentlich aufgestockt wurden die Effekt-Algorithmen. Während das H9 Max lediglich über 52 verfügt, kann das H9 Gen2 mit 74 aufwarten. 

Was ist der Unterschied zwischen dem Eventide H9 Gen2 und dem Eventide H90?

Wie bereits erwähnt, ist das Angebot an Effektalgorithmen beim H9 Gen2 und beim H90 identisch. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass beim Eventide H90 zwei Algorithmen gleichzeitig aktiviert werden können, beim H9 Gen2 nur einer. Wer zwei Algorithmen kombinieren möchte, sollte sich überlegen, ob er nicht doch etwas mehr investiert. Das H90 liegt bei 898 Euro, das H9 Gen2 ist aktuell für 694 Euro zu haben (August 26). Darüber verfügt das H90 über drei Fußschalter und einen zusätzlichen Encoder. 

Bedienung am Gerät vs. Software-Editor

Im Vergleich zum alten H9 ist das Editieren am Gerät erheblich komfortabler. Hier werden die Parameter im Display dargestellt und mit den drei darunterliegenden Encodern verändert. Per Tastendruck kann zu den nächsten drei Parametern weitergeblättert werden. Bei der Eventide Control App (Mac/PC) wird die angewählte User-Liste auf der linken Seite dargestellt, daneben der Editor mit allen verfügbaren Parametern des Effekts. Auch weitere Einstellungen wie zum Beispiel Systemdaten können hier vorgenommen werden. Das Editieren funktioniert auch hier absolut einwandfrei. 

Entspricht das Angebot dem Preis?

Das quantitative Angebot an Effektalgorithmen ist erstklassig. Aber mehr als 70 Effektalgorithmen gibt es auch bei Geräten anderer Hersteller. Was eindeutig besticht, ist die bestechende Audioqualität der Effekte, die meines Erachtens jeden Cent wert ist. Die Bedienung über das LCD-Display und per Software-Editor ist ebenfalls praxisgerecht und zeitgemäß. Und wenn ich bedenke, dass mich vor einigen Jahren der H9 Max rund 650 Euro gekostet hat, dann empfinde ich den Preis von 694 Euro als absolut in Ordnung. 


Aufnahmen mit dem Eventide H9 Gen2

Das Eventide H9 Gen2 wird in Stereo vor zwei clean eingestellte Amps (Sovtek MIG-50H & Sovtek MIG-50) geschaltet. Jeder Amp ist mit einem separaten Marshall 4×12-Cab verbunden, das jeweils mit einem Royer R-10 abgenommen wird. Die Mikrofonsignale gehen in einen Chandler TG2 Preamp und dann in ein Audio-Interface (UA Apollo). Für Zerrsounds kommt ein Walrus Audio Ages zum Einsatz, das direkt vor das Eventide H9 Gen2 geschaltet ist. 

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Mehr Informationen

Wie klingen die Factory-Sounds des Eventide H9 Gen2 im Detail?

Zuerst noch einmal einige Infos zur Struktur der Speicherplätze: Das Eventide H9 Gen2 kommt ab Werk mit zwei User-Listen mit je 99 vorgefertigten Preset-Sounds, die sofort auf dem Gerät abrufbar sind und per Fußschalter angewählt werden. Das Ganze ist nach bestimmten Kategorien logisch sortiert, sodass man sich im Effekt-Dschungel schnell zurechtfindet. Die jeweiligen Presets kann man beim Editieren anwählen, wenn man sich einen Effektalgorithmus aussucht. Das erleichtert das Einstellen der Effektsounds immens, weil bereits ausgezeichnete und inspirierende Presets vorhanden sind. So bleibt in der Regel lediglich ein wenig Feinabstimmung übrig und man kann sich primär ums Spielen kümmern. Hier ist ein kleiner Auszug aus den Werks-Sounds ohne Veränderungen der Parameter. 

Audio Samples
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MicroPitch (Stratocaster) Rotary Sim (Stratocaster) Shimmer (Stratocaster) Ambient Tape – Head Space (Stratocaster) Just a Phase – Phaser (Stratocaster) Tame Flanger – Instant Flanger (Stratocaster) Instant Swell – Ultra Tap (Stratocaster) Reso Delay – Resonator (Stratocaster) Stereo Pong – Filter Pong (Stratocaster) The Drip – Spring (Stratocaster) Ekospace 51 – ModEchoVerb (Jet Baritone)

Wie klingen die Basics Delay, Reverb und Modulation?

An Brot-und-Butter-Effekten ist alles an Bord, und das in erstklassiger Qualität, wie es das H90 in unserem Test schon unter Beweis gestellt hat. Auch die Möglichkeit, gewisse Veränderungen an den Effekten per Fußschalter (z. B. Rotary Speed) vorzunehmen oder auch das Morphing von Parametern über den Hot Knob, erweitert die Flexibilität im Einsatz auf der Bühne. Solche Voreinstellungen, die die Programmierarbeit verkürzen, findet man bereits in den Presets. Bei den folgenden Beispielen habe ich mich von den Presets der einzelnen Algorithmen inspirieren lassen und einige minimale Einstellungen verändert. 

Audio Samples
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70s Guitar Chorus – Chorus (Stratocaster) Even-Vibe (Stratocaster) Gooey Filter – Mod Filter (Stratocaster) Tape Echo (Stratocaster) Space Plate – Plate (Telecaster)

Wie überzeugend klingen Drive-, Distortion- und Fuzz-Sounds?

Die Zerrsounds sind generell in Ordnung. Bei den Overdrive-Sounds bin ich allerdings pingelig und würde meine analogen Zerrgeneratoren dem H9 Gen2 vorziehen. Aber wenn es etwas kantiger zur Sache gehen soll, gefällt mir zum Beispiel der CrushStation-Algorithmus sehr gut. Auch die Möglichkeit, beim WeedWacker-Algorithmus den Overdrive in zwei Frequenzbereiche aufzuteilen und unterschiedliche Gain-Settings für Bass und Höhen einzustellen, finde ich super. 

Audio Samples
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Light Breakup – Sculpt | Bypass > On (Telecaster) Mid Drive – WeedWacker | Bypass > Stage 1 > Stage 2 (Telecaster) Octave Fuzz – CrushStation | Hot Knob 0 > 50 > 100 (SG) Decade Drive – Sticky Tape (SG)

Wie ist die Audioqualität bei Pitch-, Granular- oder Synth-Effekten?

Bei Pitch-Shifting- und Harmonizer-Sounds hat Eventide bekanntlich eine große Expertise. Die lange Erfahrung seit den Rack-Zeiten wirkt sich auch auf die Bodeneffekte aus: Ein stabiler Ton bei Bendings, Fingervibratos und auch Vibrato-Hebel-Aktionen ohne Artefakte oder ähnliche Unsauberkeiten. Akkorde klingen sauber und transparent mit viel Prozessor-Headroom und auch das Tracking bei Synth-Sounds ist beispielhaft. Soundtüftler und Ambient-Fans finden in den recht neuen Granular-Algorithmen eine große Spielwiese. Und auch dort ist die Klangqualität erste Sahne, selbst bei hohem Effektanteil klingt das Ganze immer kristallklar und aufgeräumt. Die meisten Algorithmen haben ihren ganz eigenen Charme und Charakter und veredeln das Klangbild immer mit einem gewissen Extra. 

Audio Samples
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E minor Ballet – Quadravox | Bypass > On (SG) Deep Octaver – Octaver (SG) Elec12String Roo – Harmodulator (SG) Interstellar – Cosmic Web (SG) Analog Bass – PolySynth (SG) Camino – HotSawz (SG)

So klingt das Eventide H9 Gen2 im Band-Arrangement

Zum Abschluss hört ihr das Eventide H9 Gen2 noch im Band-Arrangement mit acht unterschiedlichen Effekten. 

Audio Samples
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Eventide H9 Gen2 im Band-Arrangement

Wer sind die Mitbewerber/Alternativen zum Eventide H9 Gen2?

Multi-Effekte gibt es viele, aber in dieser Klanggüte mit vielen unterschiedlichen kreativen und eigenständigen Effekten und in einem kompakten Pedalformat wird das Angebot schon etwas dünner. Klar, das Eventide H90 hatte ich bereits erwähnt und sollte auch hier als Alternative genannt werden, denn mit ihm können zwei Algorithmen gleichzeitig genutzt werden. Eine ähnliche Konzeption wie das H9 Gen2 verfolgt das Line 6 HX One: Bei einer großen Auswahl an Effekten lässt sich auch hier nur ein Effekt simultan anwählen.

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Fazit 

Das Eventide H9 Gen2 liefert eine große Bandbreite an Effektsounds in vielen Bereichen, von Overdrive/Fuzz bis zu abgefahrenen Pitch- und Ambient-Style-Sounds. Alles in einer ausgezeichneten Audioqualität, sehr transparent und nie matschig, auch nicht bei hohem Effektanteil. Am besten haben mir persönlich die Modulations-, Pitch-, Delay- und Reverb-Effektsounds gefallen. Neben den sehr flexiblen Klängen punktet das Pedal mit variablen Steuermöglichkeiten über die Fußschalter oder die Hot Knob-Funktion. Das H9 Gen2 hat im Vergleich zum alten H9 mehr Effektalgorithmen im Angebot und auch das Editieren am Gerät ist mit LCD-Display und drei Encodern wesentlich einfacher und übersichtlicher. Einziger Nachteil ist, dass nur ein Algorithmus gleichzeitig verfügbar ist, aber wen das stört, für den gibt es noch das H90. Das H9 Gen2 liegt in seinem Segment in einer deutlich höheren Preisklasse, aber mit seiner Soundqualität und dem Angebot an Effekt-Algorithmen ist das meines Erachtens absolut gerechtfertigt.

Artikelbild
H9 Harmonizer Gen 2
Für 694,00€ bei
  • Hersteller: Eventide
  • Modell: H9 Gen2
  • Typ: Multi-Effektgerät
  • Regler: 4 Encoder
  • Fußschalter: 2 (frei programmierbar)
  • Anschlüsse: 2 × Input, 2 × Output, EXP, CTL, USB-C, MIDI In, MIDI Out
  • Bypass: Buffered Bypass
  • Spannung: 9 bis 12 V
  • Stromaufnahme: 1 A
  • Display: 2,5″ LCD
  • Effekt-Algorithmen: 74
  • Speicher: 99 Presets pro User-Liste (Anzahl der User-Listen unbegrenzt)
  • Maße: 133 × 127 × 69 mm (B × T × H)
  • Gewicht: 583 g
  • Verkaufspreis: 694,00 Euro (August 2026)

Herstellerseite: https://www.eventideaudio.com/

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