SOUNDVERGLEICH – Alle Juno 6/60/106 Plugins in der Praxis
Oszillatoren, Filter und Effekte
Anhand von einfachen Patches werden die aussagekräftigsten Sound-Vergleiche möglich. Ganz repräsentativ sind solche A/B-Vergleiche zwar nicht, denn manche Hersteller haben zusätzliche Parameter implementiert. Bei u-he Diva lässt sich zum Beispiel eine bestimmte Wellenform für den Suboszillator auswählen. Der Juno-106 von Roland hat in der VCA-Sektion noch einen wirkungsvollenTone-Regler.
Schon beim Basisklang ohne Filter-Einsatz sind Unterschiede zwischen einzelnen Emulationen zu hören. Im ersten Durchgang erzeugen wir mit dem DCO eine Pulsbreitenmodulation, die vor allem beim Roland Juno öfter für fettere Sounds verwendet wird. Der Roland Juno-106 liefert einen transparenten, lebendigen und ausgewogenen Sound. Satt und rund klingen auch u-he Diva und U-NO-LX von TAL-Software. Am wenigsten überzeugt der DCO-106 von Cherry Audio. Sein Klang wirkt nicht sehr transparent
In der zweiten Runde kommt ein Sägezahn-Oszillator unterstützt durch den Suboszillator zum Vergleich. Klangformend ist hier auch das Filter mit einem kürzeren Hüllkurven-Decay. Es handelt sich um einen typischen Synth-Bass, der bei den Plugins unterschiedlich ausfällt. Die Nase vorn hat wieder Roland Juno-106. Wie sich der DCO mit einer Pulsbreitenmodulation sowie bei der Kombination aus Sägezahnwelle und Sub-Oszillator konkret äußerst, verdeutlichen die Hörbeispiele:
Wie macht sich das resonanzfähige Tiefpass-Filter des virtuellen Junos klanglich? Jeweils zwei Beispiele geben einen näheren akustischen Hinweis: Im ersten Durchlauf drehen wir an den Parametern „Cutoff“ und „Resonance“ bei einem monofonen Rechteck-Sound, danach bei einem Chord Pattern, das auf einem Sägezahn-DCO basiert. Unser Eindruck: Keine Filtersektion klingt wirklich schlecht, klangliche Differenzen sind aber deutlich wahrnehmbar.
Weil der interne Chorus-Effekt maßgeblich am vollen warmen Sound des Roland Juno-60/106 beteiligt ist, möchten wir auch ihn klanglich vergleichen. Die Wahl fällt dabei auf Typ „Chorus 1“, der unsere einfache Sägezahn-Fläche etwas moderater anfettet als der zweite Chorus-Typ. Übrigens, den Chorus des Juno kann man von TC Electronic in kompakter analoger Bauweise erwerben. Als Freeware gibt es ihn von TAL-Software.
Für dich ausgesucht
Zwischenfazit: Nicht Chorus oder Filter, sondern die Audioqualität des DCO samt Suboszillator macht den größeren Unterschied zwischen den vier Software-Instrumenten.
Single Patches
Jedes Plugin bringt seine eigene Library mit. Über 330 Presets integriert der DCO-106 von Cherry Audio nach der Installation. Für den TAL-U-No_LX sind tolle Bibliotheken auf dem Soundmarkt zu bekommt. Noch viel mehr an Soundware ist für u-he Diva zu ergattern, allerdings sind es kaum Juno-typische Sets. Roland bietet in der Cloud mehrere Sound-Pakete (Synthwave, Techno etc.) Jeweils vier Patches spielen wir pro Instrument und je Soundkategorie an.
Bässe
Der Juno-106 ist ein Tick kräftiger und aggressiver in den Bässen als sein Vorgänger Juno-60. Beide Synthesizer liefern aber auf ihre Weise gute Synthesizer-Bässe. Am besten gefallen die Bässe bei den Presets von TAL-Software. Überraschend gut schlägt sich auch Cherry Audio. Die Sounds des DCO-106 wirken als Sequenzer-Phrase nicht so lasch, als man es beim direkten Anspielen vermutet. Das folgende Aufgebot ist nur eine Momentaufnahme. Freilich haben die einzelnen Emulationen noch mehr zu bieten – so auch der AIR Music Technology Jura.
Pads
Einfache Flächen zu erstellen ist für den Besitzer eines Roland Juno ein Vergnügen. Bei den Emulationen ist dies nicht anders. Es fällt nicht gerade leicht, sich eindeutig für Roland, TAL-Software oder u-he zu entscheiden. Alle drei Kandidaten legen einen schönen Klangteppich. Cherry Audio und AIR Music Technology können indes weniger überzeugen. Zumindest die bei den Factory Presets mitgelieferten Pads sind keine Offenbarung. Vielleicht geht es noch besser, wenn man selbst schraubt und zusätzlich hochwertige Effekt-Plugins verwendet.
Arpeggiator
Der Arpeggiator des Juno-60 macht nicht nur Spaß, sondern ist auch beim Produzieren sehr nützlich. Bei den Beispielen zeigt der Roland Juno-106 wie kraftstrotzend und technoid er klingen kann. Diese Präsenz und Wuchtigkeit vermisst man ein wenig beim DCO-106 von Cherry Audio und auch beim AIR Music Technology Jura.
Wie bei den übrigen Soundbeispielen sollte man bedenken, dass der TAL-U-No-LX komplett auf Delay und Reverb verzichtet. Umso erstaunlicher ist es, welchen guten Sound er auch ohne FX-Unterstützung zustande bringt.